Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Schon wieder finde ich eine besorgte Email in meinem Postfach: „Ich habe ein Wespennest. Können Sie mir da weiterhelfen? Können Sie das vielleicht wegnehmen?“ Als Imkerin habe ich eine Fortbildung zum Thema Hornissen und andere Wespen gemacht und das hat sich schnell rumgesprochen. Ich schaue mir das Wespennest dann erst mal vor Ort an: Wo hängt das Nest? Welche Art von Wespe hat es dort gebaut? Dann kann ich beraten und Aussagen treffen wie lange das Nest besiedelt ist und ob es noch wachsen wird. Je nach Situation kann das Nest dort hängenbleiben oder es wird besser umgesiedelt.

 

Ich bin froh, dass sich die Menschen melden und nachfragen. Das ist nicht selbstverständlich. Wespen haben eine schlechte Lobby. Auch meine Mutter bezweifelt, dass dieser Umgang mit Wespen sinnvoll ist. Sie macht es an der Frage fest: „Sind Wespen überhaupt nützlich? Wespen produzieren doch keinen Honig wie Honigbienen.“

Doch Wespen sind durchaus nützlich. Erstens bestäuben sie wie so viele Insekten Pflanzen und zweitens bilden sie quasi die Gesundheitspolizei im Insektenbereich. Sie sammeln zum Beispiel tote Honigbienen ein und davon fallen im Sommer allein bei einem Bienenvolk an einem Tag bis zu 2.000 an.

Die Perspektive der Nützlichkeit hat allerdings eine Schattenseite und die stößt mir sauer auf. Diese Sichtweise könnte nämlich auch bedeuten: Was nicht nützlich ist, kann weg!

Ich glaube allerdings, dieses Urteil steht mir nicht zu! Schließlich bin ich selbst Geschöpf – wie alles auf dieser Welt, die Wespen auch. Ich überblicke bei weitem nicht alle Zusammenhänge in der Natur. Wie soll ich da entscheiden können, wem ein Platz in der Schöpfung zusteht und wem nicht?

Gott hat dem Menschen den Auftrag gegeben: Pass auf diese Schöpfung auf! Bearbeite und hüte sie! Oder mit Albert Schweitzer formuliert: Alles Leben verdient Achtung und Respekt!

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