Manuskripte

SWR3 Gedanken

„In die Kirche gehen ist das neue Schwulsein!“ Wie bitte? Meine Bekannte wiederholt ihre Erkenntnis: „In die Kirche gehen ist das neue Schwulsein.“ Und dann erzählt sie mir, was sie in ihrem Freundeskreis so alles zu hören bekommt, nur weil sie ihr Kind taufen lassen will.

Manche sind sprachlos, andere entsetzt, die meisten machen sich lustig darüber. Lachen, weil sie in einer Kirche Gott für das Leben ihres Kindes danken will. Weil sie sich in einem Gottesdienst sagen lassen will, dass alles Leben in Gottes Hand steht. Auch das ihres Sohnes und ihr eigenes. Weil dort ein Pfarrer oder eine Pfarrerin über dem Kind aussprechen wird, dass ihm Gottes Liebe gilt. Für immer.

Mir war nicht klar, dass es in unserer Gesellschaft manchmal so viel Mut braucht, um ein Kind taufen zu lassen.
Vielleicht ist mir deswegen ja die Schwulenbewegung schon immer sympathisch. Weil sie der Gesellschaft beigebracht haben, dass eine sexuelle Orientierung nichts über den Charakter eines Menschen aussagt. Gegen alle Verspottungen und Anfeindungen

Also, wenn in die Kirche gehen, das neue Schwulsein ist, dann nur Mut, Leute. Dass mich Leute deswegen auslachen, halte ich aus. Ich weiß ja, dass Gottes Liebe mir gilt. Dem Kind meiner Bekannten auch. Und ihrer ganzen Familie. Und den Schwulen. Und übrigens sogar denen, die über uns lachen.

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