Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Man kann zu Gott in allen Sprachen der Welt beten. Und sogar in einer Sprache, die eigentlich keine Sprache ist sondern nur eine Folge von Pieptönen oder Lichtsignalen: die Morsezeichen.

Für einen Gottesdienst hatten wir in unserer Gemeinde eingeladen, dass Menschen in ihrer Muttersprache beten: auf Italienisch, auf Niederländisch, auf Darsi, wie man es in Afghanistan spricht und noch in einigen anderen Sprachen. In der Vorbereitung für diesen Gottesdienst hat mich ein Mann aus unserer Stadt angesprochen. Er hat mir erzählt, dass er von Beruf Funker auf einem Handelsschiff gewesen ist. Er hat mir erklärt, dass die Morsezeichen auf hoher See oft das einzige Verständigungsmittel unter den Menschen gewesen sind.

Morsezeichen sind ein Funksignal, ein Ton oder ein Licht – abwechselnd lang oder kurz; eine festgelegte Folge ergibt einen Buchstaben.

Das Funken von Morsezeichen ist wie eine eigene Sprache, jedenfalls ein Mittel, um sich auszudrücken. Ich stelle mir vor, dass es den Menschen auf hoher See ein Gefühl der Sicherheit gibt, wenn sie wissen: Selbst bei hohem Seegang wird unser Signal in weiter Ferne von anderen Menschen gehört, und wir bekommen Hilfe, wenn es nötig ist.

Es war ein ganz besonderer Moment, als dieser Mann in dem Gottesdienst mit seiner Funktaste einen Satz im Gebet gemorst hat.

„Herr, gebiete den Winden, die hohe See zu glätten und begleite mich auf der Reise des Lebens.“ Wir, die wir keine Morsezeichen verstehen, haben diesen Satz im Liedblatt mitlesen können.

Als die Geräusche von der Funkertaste über die Lautsprecheranlage erklungen sind, war das ein richtiger Gänsehautmoment. Sofort hatte ich Bilder im Kopf von Menschen, die auf dem Meer weit entfernt sind vom sicheren Land.

Beten ist ja eigentlich etwas ganz ähnliches. Ich sende meine Zeichen aus. Ich nenne meinen Kummer. Ich äußere meine Sorgen. Ich sage, was mich freut. Ich sehe aber kein Gegenüber – genau wie der Funker auf See. Der sieht ja auch nicht, mit wem er Kontakt hat. Nur dass es beim Beten nicht darum geht, dass mich andere Menschen hören sondern Gott. Und ich muss mich auch nicht um eine besondere Sprache bemühen. Zu Gott kann man in allen Sprachen der Welt beten. Und er wird hören und helfen.

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