Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Wenige Wochen vor seinem Tod habe ich meinen Onkel Heinrich noch einmal im Krankenhaus besuchen können. Bis ins hohe Alter hat er auf seinem Bauernhof in der Steiermark gearbeitet. Er hat mir manches aus seinem langen Leben erzählt, von der täglichen Arbeit, seinen Kindern und seinem Glauben an Gott.

60 Jahre harte Arbeit auf einem Bauernhof: Anfangs mit verschiedenen Tieren, Kühen, Schweinen, Hühnern und natürlich der Landwirtschaft. Doch nach und nach hat die Schweinezucht alles andere verdrängt. Anders hätte sich die Arbeit nicht mehr gerechnet. Auf dem Bauernhof habe ich sie gesehen: Viele kleine Ferkel, die sich an ihr Muttertier schmiegen. Und die etwas größeren Schweine, die nach ein paar Monaten weiterverkauft werden.

Heinrich war ein spiritueller Mensch: Er hat viel über den Glauben gelesen und sich in der Kirche engagiert. Ich kenne keinen Menschen, der so gut schweigen konnte. Mit ihm konnte ich stundenlang still auf einer Bank am Waldrand sitzen. Seine Arbeit hat zu seinem Glauben dazu gehört. An seinem Krankenbett hat er mir gesagt: Wenn die Tierärztin gekommen ist, um unseren Bauernhof zu kontrollieren, hat sie die Gesundheit der Tiere oft gelobt. „Da gibt es wenige Höfe, auf denen die Tiere so gesund leben“ hat sie gesagt. Diese Worte waren für Heinrich sehr wichtig. Er hat jeden Tag dafür gearbeitet, dass es so bleibt, dass die Tiere gut leben und wachsen.

Ich finde es gut, wenn Menschen danach fragen, wie noch mehr für den Tierschutz getan werden kann. Da geht es um die Massentierhaltung, den Einsatz von Antibiotika und den Wert von Lebensmitteln. Neue Gesetze sind dabei ein ganz wichtiger Baustein. Bei Heinrich habe ich gelernt, dass eine Sache aber nie ersetzt werden kann: Ein Bauer muss sein Handwerk verstehen, sonst leiden die Tiere. Heinrich hat sein Handwerk als Schweinezüchter sehr gut verstanden. 365 Tage im Jahr hat er für das Wohl der Tiere gesorgt.

Wenn ich im Geschäft Lebensmittel einkaufe, vergesse ich leicht, dass hinter vielen Produkten die Schicksale von Tieren und Menschen stehen. Da kann es für mich nicht einfach darum gehen, überall möglichst viel zu sparen. Bei Heinrich habe ich gesehen, welche Arbeit und Probleme dahinterstehen. Wie viel Zeit und Handwerkskunst. Und dass es da noch etwas sehr Wichtiges gibt: Die Würde der Tiere zu achten.

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