Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Bleib wie du bist, wenn Du bist, wie Du bist“. Diesen Spruch hab ich kürzlich in einem Lokal gelesen. Man kennt ja die Situationen bei denen der erste Teil dieses Wunsches ausgesprochen wird: bei Geburtstagen oder Jubiläen, wenn einem damit gesagt wird, dass man ein sympathischer, geschätzter oder beliebter Mensch ist, der so sympathisch, geschätzt oder beliebt bleiben soll. Manche derart Gelobten zucken aber ein wenig zusammen, weil für sie sich nicht zu verändern geistige Erstarrung oder persönlicher Stillstand bedeutet. Wo doch Leben Entwicklung ist. Aber nicht nur, ich denke es gehört beides dazu. Sich zu entwickeln und sich nicht zu verändern und zwar da wo es darauf ankommt: im Kern der Persönlichkeit. Genau da so zu bleiben, wie man eben ist. Aber dieses „so wie man ist“, ist ein lebenslanger Prozess. Selbst wenn sich das jetzt widersprüchlich anhört. Es gilt sich selbst treu zu bleiben inmitten aller Veränderungen und Herausforderungen. Und zwar in einem unaufhörlichen Prozess von Spüren, Ausprobieren, Bewahren und mitunter auch sich Wehren und sich Behaupten. Und dabei immer gut darauf zu achten was für einen stimmt, ganz im Inneren stimmt. Mein Glaube kann da eine schöne Hilfe sein. Er ermutigt die Menschen so zu sein wie sie sind. Weil Gott sie so gewollt hat: als einzigartige Geschöpfe mit einer unantastbaren Würde. Genau deshalb hat Jesus die Menschen, die er geheilt hat, oft mit diesen Worten in ihr neues Leben geschickt: „…und jetzt geh nach Hause!“ Im griechischen Urtext der Bibel heißt das: „Eis ta idia“ und das bedeutet: Geh in das dir Eigene! Also bleib wie du bist, kehre dorthin zurück oder werde so wie Du wirklich bist…

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