Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Über eine ganze Hauswand ausgebreitet steht dieser Werbetext: „Wir haben den Tempel, Du bringst das Opfer“. Der Clou dabei ist, dass die Werbung nicht von einer Religionsgemeinschaft ist. Es geht um keinen heiligen Ort, es ist die Werbung für ein Fitnessstudio! Irgendwie auch logisch. Selbst wenn mir Sport Spaß macht, wenn ich Fortschritte machen will, muss ich regelmäßig trainieren und bereit sein, mich auch zu quälen. Das ist wohl mit dem Opfer gemeint. Und wie der Tempelbetrieb in vielen Religionen funktioniert hat, so soll es also auch im Fitnessstudio sein: Ich gebe etwas, damit ich etwas bekomme. Im Tempel Geld oder ein Tieropfer für mein Seelenheil, im Fitnessstudio Geld und Schweiß für Gesundheit und Attraktivität. In beiden Fällen also ein Tauschgeschäft, bei dem ich bereit sein muss, einen Preis zu bezahlen, der vielleicht auch wehtut. 

Auch wenn derartige Tauschgeschäfte in den westlichen Religionen keine Rolle mehr spielen, die Haltung, dass ich etwas geben muss, wenn ich etwas bekommen will, hat sich so gut wie in allen Gesellschaften durchgesetzt. 

Dass es in der Wirtschaft um derartige Tauschgeschäfte geht, kann ich verstehen. Ich gehe ja auch mit dem Gefühl zur Arbeit, dass ich erst den Wert erbringen muss, den ich mit meinem Gehalt bekomme. Dabei könnte die Arbeit an sich ja schon etwas Sinnvolles sein. 

Als Christ habe ich eine andere Sicht auf das Thema „Opfer“. Auch wenn viele Christen den Tod Jesu als ein Opfer sehen, das eine Gegenleistung von mir erfordert, ist sein Tod für mich genau das nicht. Jesus ist nicht gestorben, damit ich in eine Bringschuld komme. Er ist gestorben, weil er sich gegen eben dieses Denken gestellt hat: dass die Menschen Gott gegenüber eine Bringschuld haben. Ja er hat sogar die kritisiert, die aus dieser Bringschuld ein Geschäft gemacht haben, denn der Opferkult hat damals einen ganzen Wirtschaftszweig geschaffen. Klar, dass die, die er so in Frage gestellt hat, ihn weghaben wollten. 

Aber selbst sein gewaltsamer Tod konnte nicht verhindern, dass seine Botschaft weiterlebt. Und das ist auch die Botschaft, auf die ich vertraue: Dass ich lebe, dass ich eine Arbeit habe, dass ich Freunde habe, all das baut keine Bringschuld auf, sondern ist ein Geschenk Gottes. Und mein Leben ist der heilige Ort, an dem ich diese Geschenke erfahre - ohne dass ich ein Opfer bringen muss. Weil ich das so sehe, trage ich auch gerne meinen Teil zu diesem Geschenk bei: bei der Arbeit und meinen Freunden gegenüber und ja, auch beim Sport. Aber nicht, weil ich meine, ein verkniffenes Opfer bringen zu müssen, sondern aus Freude und Dank für dieses Geschenk, das sich Leben nennt.

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