Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Wahrscheinlich kennt sie kaum jemand: Im katholischen Heiligenkalender stehen heute die Namen Prisca und Aquila. Mich haben die beiden neugierig gemacht, weil sie immer nur als Paar genannt werden. Prisca und Aquila sind ein Ehepaar gewesen, das bei den ersten Christen aktiv war. In Korinth haben sie Paulus unterstützt und später vermutlich sogar zeitweise die Gemeinde dort zu zweit geleitet. Sie sind vor allem bekannt, weil Paulus sie in einem seiner Briefe mit Namen nennt. Zuerst sie, Prisca, dann ihn, Aquila. Manche Historiker vermuten, dass das ein Hinweis ist, dass Prisca in der Gemeinde eine wichtigere Rolle gespielt hat als Acquila. Und wenn das so war, dann hat Aquila seiner Frau diese größere Kompetenz zugestanden. Für damalige Zeit war das außergewöhnlich. Und selbst Paulus hat das anerkannt. Das ist einmal mehr ein Beleg dafür, dass es eigentlich selbstverständlich ist, Frauen in der Katholischen Kirche Leitungsämter zu geben. 

Was mich aber noch mehr zum Nachdenken bringt, ist, dass die beiden immer als Paar erwähnt werden. Denn normalerweise werden in der Geschichte und in der Glaubensgeschichte eher nur Einzelpersonen erwähnt. Vielleicht sind sie deshalb auch eher in Vergessenheit geraten, weil es um ein Paar geht. Und hier ist es ein Ehepaar, das im Team gearbeitet hat. Das beeindruckt mich, weil es Bände spricht über ihre Paarbeziehung, die eben nicht nur für sich selbst da ist, sondern auch für die anderen Gutes bewirkt. Für mich gehört das zum Kern des Christentums: Ich glaube an eine Liebe, die nicht nur das private Glück in der Familie sucht und sich darauf beschränkt. Prisca und Aquila waren wohl ein Paar, dessen Beziehung über die Grenzen der eigenen Partnerschaft hinweg ausgestrahlt hat. Sie haben gezeigt, dass es auch zu zweit geht. 

Die Voraussetzung dafür ist vermutlich, dass ich mich bei gemeinsamen Aufgaben nicht als Konkurrent verstehe, sondern als Team. Und das gilt nicht nur für Führungspersonen. Das gilt auch für mich, wenn ich heute wieder bei meiner Arbeit bin. Ich habe die Wahl. Ich kann mich mit meinen Kollegen vergleichen, wo sie etwas besser können als ich und wo ich besser bin als sie, und mich in Gedanken dann in ein Ranking einordnen. 

Ich kann aber auch die Alternative versuchen, und das anerkennen, was der andere besser kann als ich und ihn da unterstützen, wo ich eine Schwäche ausgleichen kann. Und Hilfe annehmen, wenn ich nicht mehr weiterweiß. So wie es im Buch Kohelet, dem Prediger Salomos heißt: „Zwei sind besser als einer allein, … Denn wenn sie hinfallen, richtet einer den anderen auf.“ (Koh 4,9).

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