Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Woher komme ich eigentlich? Ich war seinerzeit ziemlich überrascht, als ich erfahren habe: Meine Vorfahren sind aus der Schweiz in die Kurpfalz eingewandert.

Aber richtige dicke Überraschungen kann man erleben, wenn man seine DNA analysieren lässt und fragt: Wo komme ich her? Was sagen meine Gene? Ein Pfarrerskollege aus Württemberg hat das machen lassen. Vom Namen und seiner Sprache her denkt man: Klar, schwäbisch. Und was erzählen seine Gene? Die sagen: in ihm steckt am meisten Skandinavien und eine Menge Italien. Da müssen seine Vorfahren gelebt haben. Und ein bisschen Afrika steckt auch in ihm. Und er ist Schwabe.

Zuerst war ich überrascht, aber beim Nachdenken ist das ja eigentlich total erwartbar. Er ist einfach ein normaler Europäer. So hat unser Kontinent immer schon funktioniert. Man liebt immer schon über Grenzen hinaus.

Sie fragen sich, warum hat mein Pfarrerskollege seine Gene überhaupt bekannt gemacht? Weil ihn die Anfrage einer Partei im Landtag aufgeregt hat und ihm Sorgen macht: Diese Partei will von der Landesregierung wissen, woher kommen Schauspieler, Tänzerinnen Musiker in unseren staatlichen Theatern. An der Oper, beim Ballett? Was steht in deren Pass?

Diese Anfrage hat den Kollegen zornig gemacht. Viele Menschen an den Theatern fühlen sich dadurch an die Nazizeit erinnert. Da hat man jüdische Menschen auch zuerst unter den Kulturschaffenden gesucht, erfasst und sie dann systematisch vertrieben. Ich finde, wenn eine Anfrage im Landtag heute solche Erinnerungen weckt, dann muss man sie zurücknehmen. Wenn man Anstand hat.

Woher komme ich eigentlich? Diese Frage hat mir keine Ruhe gelassen. Mir sind dabei die Gene gar nicht so wichtig. Mich interessiert viel mehr was Anderes. Was prägt denn meine kulturelle Herkunft? Wes Geistes Kind bin ich? Ich muss sagen. Da bin ich sehr ausländisch geprägt. Wenn es so etwas wie einen kulturellen Pass gäbe. Würde ich „Naher Osten“ als Herkunft reinschreiben. Israel. Weil da kommt halt die Bibel her. Da hat Jesus gelebt. Und auf ihn berufen wir uns als Christen. In unserem geistigen Herkunftsnachweis steht sein Name. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Wem das nicht behagt, der kann sich wohl nicht mit Recht Christ oder Christin nennen.

Und für uns Christen ist jeder Mensch erst mal ein Ebenbild Gottes und darin gleich. So steht das in der Bibel. Und darum muss ich als Christ auch nicht wissen, woher die Tänzer und Sängerinnen am Theater kommen. Hauptsache sie singen und tanzen gut.

 

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