Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Als Kind habe ich sehr gern ein Lied gesungen, in dem es hieß: „Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht!“ Heute kenne ich einige Menschen, die ohne Gott leben. Und die wirken gar nicht ängstlich!

In meinem Alltag brauche ich Gott auch nicht deshalb, weil ich so ängstlich wäre. Aber ohne ihn leben? Das könnte ich trotzdem nicht! Mir würde etwas fehlen. Mir würde etwas fehlen, das mir sehr wichtig ist. Ich glaube zum Beispiel fest daran, dass jeder Mensch einzigartig ist, gewollt, geliebt, wertvoll.

Für mich ist ein Mensch wertvoll, weil Gott ihn einzigartig geschaffen hat. Es zählt also nicht, was er kann. Wenn jemand älter wird etwa, verliert er nicht an Wert. Auch wenn die Kräfte nachlassen, sind Menschen nicht weniger wert. Ich kann nicht jemandem das Recht, zu leben verweigern, weil „es sich nicht mehr rechnet“. Und gerade die, die sich nicht selbst schützen können, die stehen unter Gottes Schutz. Ich weiß, dass das oft in der Bibel steht. Und dass das auch dann so ist, wenn es mir nicht in den Kram passt, wenn ich Menschen anstrengend oder sogar überflüssig finde. Gott sieht das anders.

Jeder Mensch ist wertvoll. Wie könnte ich das begründen, wenn da „oben“ gar niemand ist? Gut, das Grundgesetz… Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber mal ehrlich: Das gründet sich doch letztlich auch wieder auf den christlichen Glauben und damit auf die Annahme oder die Erfahrung, dass da ein Gott ist.

Warum sollte ich geschützt sein? Wenn ich einmal nicht mehr so gut kann, kann man mich dann aus dem Weg räumen? Gott sei Dank hat Gott gesagt: „Du bist mein Kind. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“.

Das ist jetzt ein bisschen schwere Kost am frühen Morgen, ich weiß. Aber ich frage mich eben manchmal so: Habe ich noch eine Würde, habe ich noch einen Wert, wenn ich kein wertvoller Teil mehr für die Gesellschaft bin – oder kann ich dann weg, wenn ich zum Kostenfaktor werde? Da wird mir wirklich himmelangst!

Und da fällt mir dann doch wieder das Lied aus Kindheitstagen ein: „Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht!“ – Gott sei Dank sind wir nicht ohne Gott. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

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