Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Aufräumen macht Spaß! Aufräumen setzt so viel Energie und Kreativität frei, dass es völlig zu Unrecht unbeliebt ist – auch wenn noch nicht jeder die Freude am Aufräumen für sich entdeckt hat.“ So lese ich es in einem kleinen Buch über das „Bessere Aufräumen“, dass meine Frau und ich geschenkt bekommen haben.

In ein paar Wochen ziehen wir um und fangen gerade an, die ersten Kisten zu packen. Sie glauben gar nicht, wieviel Ecken man da entdeckt, die man schon lange einmal aufräumen wollte. Aber irgendwie hat man es erfolgreich die ganze Zeit vor sich hergeschoben.

Aber es stimmt tatsächlich: Aufräumen macht Spaß! Wenn ich mich erst einmal überwunden habe, dann merke ich, wie es guttut, Aufzuräumen. Und wenn ich dann sehe, was sich alles verändert, wie Kruschtelecken auf einmal verschwinden, dann macht das sogar Spaß.

Inzwischen mache ich es so, dass ich immer zwei Umzugskisten neben mir stehen habe: In eine lege ich all die Dinge, die ich mitnehmen möchte. In die andere kommen die Dinge, die nicht mit umziehen werden. Anfangs war das ganz schon schwer, inzwischen füllen sich die beiden Kisten fast gleich schnell. Bei mir funktioniert Aufräumen nur, wenn ich viele Dinge loslasse.

Ich finde, das ist ein gutes Bild für mein ganzes Leben. Auch da gibt es die Bereiche, die ich meide, obwohl ich weiß, dass ich sie dringend aufräumen sollte. Da gibt es so manche Beziehung, die ich dringend einmal aufräumen sollte, aber ich traue mich nicht so recht ran.

Dabei tut es so gut, wenn man mal anfängt – und wenn es nur ganz klein ist - und spürt: es geht. Ich kann Dinge verändern, Situationen loslassen, neue Ordnung in meinem Leben finden.

Vor ein paar Tagen kam ich mit einer älteren Frau ins Gespräch, es ging ihr nicht gut. Sie hat per Brief die Kündigung ihrer Wohnung erhalten. Sie war verzweifelt. Ich wollte ihr gute Ratschläge geben. Aber dann habe ich gespürt, dass sie es nicht alleine schafft, in dieses Chaos Ordnung zu bringen. Darum habe ihr versprochen, ihr dabei zu helfen.

Dabei wurde mir bewusst: Gott sei Dank, müssen wir in unserem Leben nicht alles alleine in Ordnung bringen. Gott sei Dank – das meine ich wörtlich – kann Gott uns auch Menschen senden, die uns dabei helfen, unser Leben aufzuräumen.

 

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