Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Seht Ihr den Mond dort stehen...?“ – Mit dieser Frage beginnt meine absolute Lieblingsstrophe von dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“.

Und weiter heißt es:
Seht Ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
und ich doch rund und schön.

So sind so manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsere Augen sie nicht sehn.

Es ist meine Lieblingsstrophe, weil so viel Weisheit in diesen Zeilen steckt.
Wie oft kommt es vor, dass Menschen etwas als Unsinn abtun – nur weil sie es nicht verstehen? Weil sie nur glauben, was sie auch sehen können. – Das, was mit dem sogenannten „gesunden Menschenverstand“ vereinbar ist...

„Das glaub ich nicht!“, habe ich auch gesagt, als mir jemand geraten hat, es doch mal mit Akupunktur zu versuchen, gegen Asthma und Heuschnupfen. Aus reiner Verzweiflung habe ich es dann doch irgendwann probiert. Und jetzt gehe ich da seit 20 Jahren hin, weil es mir so gut hilft.

 „Das glaub ich nicht!“ - Das hat auch mal einer von Jesu Jüngern gesagt: Thomas. - Das war, nachdem Jesus gestorben ist. Seine Jünger waren am Boden zerstört. Und da ist ihnen Jesus plötzlich erschienen. Er stand mitten im Raum und hat mit ihnen gesprochen.

So wird es in der Bibel erzählt. Nur Thomas sei nicht dabei gewesen. Und als er später dazukommt, erzählen die anderen alle ganz aufgeregt von ihrem unglaub-lichen Erlebnis. Und was antwortet Thomas?
„Das glaub ich nicht! – Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehen und mit den eigenen Händen anfassen kann.“

Es ist klug, erst einmal skeptisch zu sein. Nicht alles zu glauben. Aber noch klüger ist es, zu merken: die Skepsis beruht nur auf Unwissenheit. 

Das ist wie mit dem Mond: Wer erstmal begriffen hat, dass der Mond rund ist, den kann der halbe Mond nicht mehr täuschen. Der kennt die verborgene Wahrheit. Jesus ist übrigens ein paar Tage später noch einmal erschienen. Extra für Thomas. Da konnte sich dann auch Thomas überzeugen.

 

 

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