Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Kinder lieben Rituale. Zum Beispiel, wenn einer vorliest vor dem Schlafen-gehen. Da hat das Ins-Bett-müssen wenigstens etwas Gutes. Man kann sich vielleicht nochmal an Mama oder Papa, oder auch nur an das Schlaftier kuscheln. Und fühlt sich sicher und geborgen.

Menschen, die sich da gut daran erinnern können, wiederholen dann solche Rituale bei den eigenen Kindern fast wie von selbst. Meine Eltern haben nicht vorgelesen. Aber trotzdem hatten wir ein Ritual am Abend: wir haben miteinander gebetet. Und dann wurde gesungen. Es war immer das gleiche Lied:

Der Mond ist aufgegangen.
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.

Der Wald steht schwarz und schweiget
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Beim Singen habe ich das alles direkt vor mir gesehen:
Den silbernen Mond, die Sterne, den dunklen Wald und die Wiesen. Irgendwie schön - aber auch unheimlich, dieser dunkle Wald... - wie im Märchen. Jeden Abend aufs Neue.
Und ich hab Vertrauen gelernt durch das Lied: Darauf, dass die Welt Bestand hat. Dass es ewig so weiter geht, mit dem Mond, da am Himmel. Und den Sternen, die freundlich zu uns runter blinken. Und den Wiesen. Und dass nach der Nacht ein neuer Tag kommt. Dass es dann im Wald wieder vor Tieren nur so wimmelt. Und die Vögel singen. Und aus den Wiesen wieder ein himmlisches Insekten-Gebrumme aufsteigen wird...

Da wusste ich noch nicht, wie zerbrechlich diese Welt ist. Und wie gefährdet. So ein harmloses Lied... – und doch kann es einen aus den Träumen reißen. Und die Augen dafür öffnen, dass wir unseren Kindern noch weit mehr schuldig sind, als Rituale und Geborgenheit:
- Eine Zukunft, mit Himmel, Mond und Sternen. Und überreichen Wiesen.... 
Und vielleicht können uns auch da Rituale helfen:
Mit den Kindern oder Enkeln Blumensamen streuen, in Töpfe und Vorgärten. Sie hegen und pflegen. Und mit ihnen wiederentdecken, was in der Natur so alles kriecht und fliegt. Und überlebenswichtig ist, für alle.

 

 

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