Manuskripte

SWR3 Gedanken

Bäume können Musik machen. Davon bin ich überzeugt seitdem ich das Soundprojekt von Markus Maeder gehört habe. Er stammt aus Zürich und experimentiert mit Geräuschen. Er hat eine „Baumsinfonie“ aufgenommen. Dazu hat er eine Waldkiefer mit Mikrofonen und Audiosensoren verkabelt und einen ganzen Tag lang abgehört. Die Geräusche verstärkt er dann bis zu 1000-mal, damit wir sie überhaupt wahrnehmen können.

Am Morgen, wenn die Säfte im Baum langsam in Wallung kommen, hört es sich so an, als würde der Baum leise flüstern. Gegen Mittag, wenn er voll in der Sonne steht, fängt er an zu klicken. Die Wassersäule, die im Baum hochsteigt,  bricht ab, weil nicht mehr genug Wasser nachkommt. Das hört sich dann an wie Popkorn, das in einer Pfanne aufpoppt.

Diese Aufnahmen unterlegt Markus Maeder dann mit Musik. Er macht mit seiner Baumsaftsinfonie hörbar, wie eine Waldkiefer nach Wasser japst. Der Klimawandel macht ihr zu schaffen. Ich finde die Musik, die daraus entsteht, wunderschön und gleichzeitig mache ich mir Sorgen: Jetzt fangen schon die Bäume an zu schnipsen, wie ich im Unterricht früher, wenn ich unbedingt etwas sagen wollte. So als wollten sie auf sich aufmerksam machen und uns sagen: „Hey ihr Menschen! Tut was dagegen!“

Die Kids der „Friday for Future“-Bewegung setzen sich seit einiger Zeit lautstark dafür ein, dass sich da etwas ändert. Und auch viele christliche Gruppen kämpfen dafür, dass wir noch länger auf diesem Planeten leben können. Ich würde mir wünschen, dass diese Gruppen die Lautstärke noch etwas aufdrehen. Nicht nur, dass sie von der Politik gehört werden, sondern dass es auch bei mir öfter „klick“ macht und ich sage: Heute nehme ich das Fahrrad.

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