Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Entrümpeln ist ein Mega-Trend. Überall finde ich Ratgeber, Sendungen und Tipps, wie ich mein Leben entrümpeln kann. Aufräumen. Ist eigentlich ein alter Hut: Ordnung ist das halbe Leben, hieß das mal. Jetzt gibt es andere Sinnsprüche, wie „Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen.“ Gemeint aber ist dasselbe. Dass Menschen sammeln und behalten und schlussendlich in einem Chaos leben. Weil sie sich von nichts mehr trennen können. Das kann einfach nicht gut sein.

Entrümpeln ist dagegen eine Art Fasten von Dingen. Ich mache mir bewusst, was ich brauche und verzichte auf all das, was nicht wesentlich ist. Wie beim Fasten steht beim Entrümpeln dahinter die Frage, wie ich eigentlich leben will. Ob ich mich abhängig mache von Besitz, vom Haben – oder ob das Leben nicht mehr ist, als auf etwas zeigen zu können und zu sagen: Das gehört mir.

Wie weit das gehen kann, das hat der große Franz von Assisi vorgemacht. Der gibt nämlich alles weg, was er besitzt. Sein Ziel: Freiheit. Freiheit für sich und Freiheit für Gott. Das gelingt nur, wenn sich das Herz eben nicht an alle möglichen Sachen bindet.

Aber: Ich bin da skeptisch. Sowohl was Franz angeht, wie auch den modernen Entrümpelungstrend. Ich kann nicht auf alles verzichten. Ich kann nicht die Belege für die Steuererklärung wegschmeißen, auch wenn die eine große Schublade füllen. Oder Rechnungen von der Krankenkasse. Und ich will auch nicht alles wergwerfen. Fotos, die meine Eltern zeigen, als sie noch jung waren. Ein schönes Buch. Bilder, die unsere Kinder gemalt haben.

Was mir beim Entrümpeln zu kurz kommt: Ist es nicht viel sinnvoller, dass ich mir vorher überlege, warum ich überhaupt etwas kaufe? Warum ich bei dem absurden Konsumwahn eigentlich mitmache? Hier würde mir statt dem Entrümpeln mehr eine Art Konsumfasten gut tun. Dass ich nicht dauernd kaufe und wegschmeiße, sondern genauer bestimme, was ich wirklich notwendig brauche. Und nur das auch kaufe. Da werde ich auch frei. Frei von Konsumzwang und dem Bedürfnis, ständig etwas Neues haben zu müssen.

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