Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

In den ersten Monaten dieses Jahres sind weltweit viele Christinnen und Christen getötet worden. Aus nur einem Grund: Weil sie Christen sind.

So auch bei den jüngsten Anschlägen in Sri Lanka. Da brachte die Terrormiliz »Islamischer Staat« in vielen Kirchen an Ostern über 250 Menschen ums Leben. Menschen, die erst einmal nichts anders getan haben, als den Gottesdienst zu besuchen und ihren Glauben zu leben.

Das Perfide daran: Es geht gar nicht um die unschuldigen Menschen, die einfach nur Ostern feiern wollen. Sie sind Sündenböcke. So waren die Bombenanschläge in Sri Lanka angeblich als Vergeltung für das Massaker im neuseeländischen Christchurch gedacht. Da hatte ein junger Mann in zwei Moscheen fast 50 Muslime getötet.

Tote Muslime hier, tote Christinnen und Christen da. Mir will das einfach nicht in den Kopf. Dass man andere Menschen verfolgt und bedroht. Dass man andere tötet, weil sie einen anderen Glauben haben. Für viele Christinnen und Christen weltweit ist das aber die Realität Ihres Glaubens. Allein 2019 wurden Christen in der Zentralafrikanischen Republik, auf den Philippinen, in Nigeria und in Indien getötet. Und in vielen anderen Ländern dürfen sie ihren Glauben gar nicht ausüben.

Auf die Frage nach dem ‚Warum‘ gibt es viele Antworten. Eine davon: Menschen tun sich mit dem Anderen schwer. Mit dem, was der Andere oder die Andere glaubt und lebt. Das lässt sich auch in Deutschland erleben. Das Fremde verunsichert und macht Angst. Was beten Menschen in einer mir unbekannten Sprache? Was verbindet Menschen einer anderen Religion? Das weiß ich oft nur selten. Und ich erlebe: Der Glaube anderer fordert heraus.

Zugleich aber fordert mich auch der Glaube der getöteten Christinnen und Christen in Sri Lanka heraus. Weil ich mich selbst fragen muss: Würde ich in einer Situation von Verfolgung oder Unterdrückung so zu meinem Glauben stehen? Was ist mir so wichtig, dass ich es unter keinen Umständen aufgeben würde? Könnte ich dafür in letzter Konsequenzen ein moderner Märtyrer werden?

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