Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Solidarität. Großes Wort. Wird oft gefordert. Und bleibt oft genug abstrakt. Manchmal aber lässt sich ganz konkret spüren, was Solidarität heißt.

Ich habe mir vor drei Monaten den Knöchel gebrochen. Eine dumme Bewegung und dann war der Knochen durch. Was folgte, war das ganze Programm: Operation, Gips und Krücken. Und so bin ich dann durch die Welt gehumpelt. Konnte noch nicht mal eine Tasse Tee von der Küche an den Esstisch tragen ohne was zu verschütten.

Ich habe mal wieder erfahren, was es heißt, auf andere angewiesen zu sein. Fast nichts konnte ich selbst machen. Jede Treppe wurde zum Hindernis, eine Tür zu öffnen zu einer fast unüberwindlichen Aufgabe. Was ich dabei erlebt habe: Wie oft mir Menschen ihre Hilfe angeboten haben. Sitzplatz im Bus – kein Problem, jemand steht immer auf. An der Supermarktkasse finde ich helfende Hände, die mir meinen Rucksack beladen. Bei einem Geburtstag rückt mir wie selbstverständlich jemand einen Stuhl hin. Obwohl viele Leute da sind und die Gespräche durch die Luft schwirren. Ich werde bemerkt.

Ich erlebe in vielen Situationen, wie Menschen sich für mich einsetzen. Sich mit mir solidarisieren. Und merke selbst, dass sich mein Blick für Situationen verändert, in denen Hilfe notwendig ist. Plötzlich sehe ich, wie viele Leute mit Krücken unterwegs sind. Wo Hilfe nötig wäre. Ich erlebe auch, wie wir Krückentragenden uns solidarisieren. Auf dem Bahnsteig sehe ich eine Leidensgenossin. Wir gucken uns an. Sie fragt: „Achillessehne?“ Ich sage: „Knöchel.“ Und wir beide fast gleichzeitig: „Dann gute Besserung.“ Und haben ein Grinsen im Gesicht.

Solidarität zeigt sich in vielen kleinen Gesten. Sie macht deutlich: Da fühlen sich Menschen für andere mitverantwortlich, zeigen ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Setzen sich füreinander ein.

Ich finde das eine starke Erfahrung. Gerade in einer Zeit, in der viel über Egoismus und unsere Ellenbogengesellschaft die Rede ist. Ich erlebe: Menschen setzen sich füreinander ein. Im christlichen Glauben heißt das Nächstenliebe. Auf Krücken erlebe ich, was das konkret heißen kann.

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