Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Bei uns Menschen sind Gaben, Wissen und Vermögen ungleich verteilt. Das ist nicht schön. Aber richtig schlimm wird es, wenn die einen beginnen, auf die anderen herabzusehen. Wenn sie sich selbst für etwas Besseres halten und über die anderen spotten.

In manchen Fernsehformaten gehört das ja dazu. „Germanys next Topmodel“ fällt mir da ein. Da gibt es immer wieder Zank. Die eine gehört zu den Besten und bekommt viele Aufträge und trotzdem hat sie immer wieder Angst vor den neuen Aufgaben. Die anderen ziehen über sie her. Nehmen ihren Kummer nicht ernst und spotten. Da kann man in Nahaufnahme beobachten, wie schwer es ist, das auszuhalten, dass die Gaben unterschiedlich verteilt sind. Irgendwie typisch Mensch. Vor allem in Konkurrenzsituationen.

Jeder will der Beste sein. Und manche haben dann das Gefühl: ich kann nur gut sein, wenn der andere schlecht ist. Elende Vergleicherei.

Aber eigentlich gibt es nur einen, der wirklich auf uns herabsehen kann: Das ist Gott. Aber wie schaut Gott auf die Menschen? Was sind wir in seinen Augen? Die Bibel gibt darauf eine Antwort, die auf den ersten Blick sehr hart erscheint: „Gott weiß, dass wir Staub sind“, heißt es da und: „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der heiße Wind darüber geht, so ist sie nimmer da.“ – Vor Gott sind die Menschen nur wie Gras und Staub. Klein und zerbrechlich. Wie unbedeutend sind dann erst die Dinge, um die wir uns streiten und wegen denen wir uns das Leben schwer machen?

Und trotzdem: Obwohl wir klein und zerbrechlich sind, ist Gottes Blick voll Liebe. Gott hat Mitleid mit uns und will uns helfen, wenn wir an unsere Grenzen kommen.

Mir hilft das sehr: Weil ich weiß, dass ich für Gott wichtig bin, obwohl ich so klein und voller Fehler bin, gibt mir das eine ganz andere Sicherheit. Ich habe es nicht mehr nötig, andere klein zu machen, um selbst groß zu sein. Für Gott sind wir alle wertvoll – so klein wie wir auch sind.

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