Manuskripte

SWR3 Gedanken

15MAI2019
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Wenn nichts mehr geht, gehe ich weg. Und zwar zu meiner persönlichen Ladestation.

 

Es gibt sie einfach, die Phasen im Leben, in denen nichts mehr geht. Der Kopf überfüllt, der Körper entkräftet, der ganze Mensch läuft gerade noch so auf Reserve. Leider gibt es beim Menschen keinen eingebauten kleinen Zeiger, der sichtbar in einen roten Bereich rutscht. Keine Lampe die warnend aufblinkt. Beim Menschen kann man sie leicht übersehen, die Anzeichen dafür, dass der Reservemodus eingetreten ist: Gereiztheit, Müdigkeit, Stress, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit. Das Gefühl, so gerne bremsen zu wollen und doch den Fuß einfach nicht vom Gaspedal zu bekommen.

Dann ist es höchste Zeit, eine Pause zu machen. Am besten an einer persönlichen Ladestation, bei der man sich wieder richtig volltanken kann. Geistige und körperliche Energie auffüllen, damit der weitere Weg nicht mit einer Panne oder gar einem Unfall endet. Diese Ladestation muss kein großer Urlaub sein, sondern am besten zwischendurch im Alltag angesteuert werden. Damit man jederzeit tanken kann, wenn es nötig wird und nicht erst dann, wenn es der Urlaubsplan genehmigt.

Die persönlichen Ladestationen sind so unterschiedlich wie die Menschen. Das ist mir klar geworden, als ich Freunden und Verwandten eben genau diese Frage gestellt habe: Wohin gehst du, wenn nichts mehr geht?

Ein paar davon kann ich hier nennen. Vielleicht findet sich ja der eine oder die andere darin wieder. Und vielleicht sind sie eine Anregung, die eigene Ladestation zu erkennen oder zu finden.

Auf die Frage: „Wohin gehst du, wenn nichts mehr geht?“, habe ich folgende Antworten erhalten:

- Joggen im Wald

- Ans Ufer eines Sees oder Flusses

- Tanzen

- Auf meinen Balkon

- Zu meiner Mama

- In meinen Lieblingssessel

- In die Kirche

- Ins Bett

Wo auch immer sie sein mag, die persönliche Ladestation, ich halte sie für lebens-not-wendig. Und ich wünsche jedem, dass er seine ganz eigene finden und nutzen kann. Damit man nicht auf der Strecke bleibt.

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