Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Das Leben ist kein Wegwerfartikel“, das sagt Benedict Maria Mülder. Eigentlich sagt nicht er das, sondern ein Computer, den er mit den Augen steuern kann. Denn mehr als seine Augen kann Mülder Mülder nicht mehr bewegen. Er leidet seit Jahren an amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS. Das ist dieselbe Krankheit, die auch der Physiker Stephen Hawking hatte. Bei ALS fallen immer mehr Neven aus und damit immer mehr Muskeln. Bis man nur noch die Augen bewegen kann. ALS-Patienten müssen künstlich beatmet und ernährt werden. So ist das auch bei Herrn Mülder.

Trotz dieser massiven Einschränkungen steht er mitten im Leben. Mit Hilfe des Computers schreibt der Journalist trotz seiner Krankheit Artikel für Zeitungen und Beiträge für Bücher. Und er nimmt Teil am Familienleben. Sein Bett steht nicht im Schlafzimmer, sondern im Wohnzimmer, bei der Familie. „Das Leben ist ein Geschenk“, sagt er. Ein Geschenk Gottes. Herr Mülder ist Christ. Und auch als kranker Mensch will er für seine Familie da sein. Und seine Frau ist ihm dafür dankbar: „Mein Sohn hat einen Vater, ich habe immer noch einem Mann“, sagt sie.

Mich beindruckt diese Wertschätzung für das Leben. Mir geht es oft so wie dem Propheten Jona. Die Bibel erzählt: Gott hat für Jona eine Rizinusstaude wachsen lassen. Mit ihren großen Blättern hat die Pflanze dem Propheten Schatten vor der brennenden Sonne gegeben. Das fand Jona sehr angenehm. Doch dann ist die Rizinusstaude eingegangen. Der Schatten war weg. Die Sonne knallte vom Himmel. Und: Der Prophet wollte nicht mehr leben: „Wenn ich doch nur tot wäre“, hat Jona geklagt, „das wäre besser als [so] weiterzuleben!“ (Jona 4,8, Gute Nachricht Übersetzung).

So geht es mir auch manchmal. Eine kleine Einschränkung im Leben bringt mich zum Verzweifeln. Wenn es mal nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, werde ich unzufrieden und hadere mit dem Schicksaal. Und es kommt mir so vor, als sei das ganze Leben nichts mehr wert. Und meine Verantwortung für andere, habe ich in so einem Moment gar nicht im Blick.

Ich glaube, das kommt daher, dass ich alles Gute als selbstverständlich ansehe: Meine Gesundheit, meine Arbeit, meine Familie, meine Hobbys. Dass das alles da ist und funktioniert, ist für mich der Normalzustand. Wozu also dankbar sein? Und ich unterschätze dann auch, wie wichtig ich für andere bin.

Benedict Maria Mülder erinnert mich daran: Mein Leben ist kein Wegwerfartikel. Es ist Leben ein Geschenk Gottes, das wertvoll ist, auch wenn es eingeschränkt ist – für mich und für andere.

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