Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Musik 1 – Refrain „Halleluja“ – Klavier, Gesang, Klavier

„Halleluja“ ist ein Jubelruf, ein besonderes Wort. Es ist hebräisch und bedeutet „Lobt Gott“. Man kann es aber ganz unterschiedlich betonen: Heißt es „Hallelúja“? Oder „Hálleluja“ wie in Georg Friedrich Händels „Messias“? Oder „Hallelujá“ wie im heutigen Lied zum Sonntag. Die Betonungen werden „ver-rückt“. So wie am Ostermorgen der Stein vor Jesu Grab – auch er ist weggerückt.

Musik 2 – Strophe 1

Seht, der Stein ist weggerückt,
nicht mehr, wo er war;
nichts ist mehr am alten Ort,
nichts ist, wo es war.
Halleluja, halleluja, …

Lothar Zenetti, der „Frankfurter Dichter-Pfarrer“, der vor wenigen Wochen gestorben ist, hat vor bald 50 Jahren diesen Text verfasst. Ostern heißt für Zenetti, dass alles, was vertraut ist, ins Wanken gerät: „Grab“ ist „nicht mehr Grab“, und „nichts ist“ mehr so, „wie es war“. Da frage ich mich: Woran kann ich mich noch festhalten, wenn sich nicht nur dies oder jenes verändert, sondern schlichtweg alles?

Musik 3 – Strophe 2

Seht, das Grab ist nicht mehr Grab,
tot ist nicht mehr tot.
Ende ist nicht Ende mehr,
nichts ist, wie es war.

„Ende ist nicht Ende mehr“, behauptet dieses Lied. Wenn ich zurückblicke auf eigene Erfahrungen, dann war manches Ende ein schmerzlicher Verlust. Beruflich zum Beispiel, als ich mit der Wissenschaft an der Universität aufgehört habe. Aber mancher Schlusspunkt hat den Weg frei gemacht für einen neuen Anfang. Weil ich frei wurde für Neues, ohne es schon zu kennen. Das Neue war dann eine gute, eine österliche Erfahrung.

Musik 4: Klavier Refrain

In unserem Lied spielen sogar einige Töne verrückt. Der Rottenburger Kirchenmusiker Walter Hirt führt die Melodie auf neue Wege. Eigentlich klingt die Tonleiter so:

Musik 5 – D-Dur

Doch wenn die Töne „weggerückt“ werden, etwa so wie Jesu  Grabstein, dann klingt es so:

Musik 6 – Fis-Dur

Ostern ist für mich wie eine neue Melodie. Im Halleluja höre ich sie besonders klangvoll. So ein Halleluja, das immer wieder anders betont werden kann, ermutigt mich, auch die Schwerpunkte in meinem Leben zu verrücken. Im Büro etwa stürzt so manches auf mich ein, was möglichst sofort erledigt werden muss, und ich will ja nicht „Nein“ sagen. Dabei wäre es besser, wenn ich mir selber klare Ziele setze und dran bleibe, Schritt für Schritt. Mit diesem Lied hoffe ich, dass Jesus mit mir geht, auch auf steinigen Wegen, und dass er uns allen vorausgeht. Grund genug, ins „Halleluja“ mit einzustimmen.

Musik 7 – Strophe 3  mit Nachspiel

Seht, der Herr erstand vom Tod,
sucht ihn nicht mehr hier,
geht mit ihm in alle Welt,
er geht euch voraus.
Halleluja, halleluja, …

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Lothar Zenetti / Walter Hirt: „Seht, der Stein ist weggerückt“
(Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg Nr. 800)
SWR-Aufnahme im Studio Freiburg, Schlossbergsaal, am 24. April 2019 mit Eduard Wagner (Gesang) und Jörg Josef Schwab (Klavier)

 

 

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