Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Für die meisten von uns ist der Tag heute bald vorbei. Manche werden noch auf dem Nachhauseweg sein. Andere haben schon das Abendessen hinter sich. Die meisten sind jedenfalls mit der Arbeit für heute fertig. Aber einige eben noch nicht. Sie müssen jetzt noch arbeiten, manche von ihnen die ganze Nacht hindurch. Bis sie morgen Vormittag von der Frühschicht abgelöst werden. Ich meine die Schwestern und Pfleger in den Krankenhäusern und Altenheimen. Auf sie lenke ich heute unsere Aufmerksamkeit.

Als ich letzten Herbst im Krankenhaus war, habe ich hautnah erlebt, wie es in der Pflege zugeht. Nach meiner Operation konnte und durfte ich in den ersten Tagen vieles nicht allein: aufs Klo, aufstehen und laufen, die Schuhe binden. Ich hatte Schmerzen, und weil ich nachts oft wach lag, hatte ich genug Zeit zum Grübeln. Die Fragen habe ich dann den Schwestern und Pflegern auf Station gestellt. Fast nebenbei haben sie das gemacht, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Mich medizinisch so zu versorgen, dass es schnell wieder aufwärts ging mit mir, dass es nach der OP keine Komplikationen gab, dass ich bald wieder geheilt nach Hause entlassen werden konnte. Mein Eindruck war: Sie haben prima für mich gesorgt. Selten war jemand mürrisch. Der Druck, unter dem sie stehen, war aber schon manchmal zu spüren.

Als es mir besser ging, habe ich mit den Frauen und Männern auch über ihre Arbeit gesprochen.  Fast immer haben sie gesagt, dass ihr Beruf schön, aber auch anstrengend ist. Sie sind sich darüber im klaren, dass sie etwas sehr Wertvolles tun. Die meisten lieben ihren Beruf, weil sie ganz handgreiflich etwas Gutes tun können, weil sie einfach gebraucht werden. Die Nähe zu anderen Menschen, körperlich und geistig, ist schön, aber eben auch anspruchsvoll. In den Kliniken und Heimen ist der Druck oft enorm. Die Träger geben den Konkurrenzkampf unter den Anbietern an ihre Angestellten weiter. So kommen auf immer mehr Patienten weniger Pflegekräfte, und bezahlt werden sie auch nicht besonders gut. Und das, obwohl sie eine Arbeit machen, die sonst keiner machen will. Immer weniger machen sich auf den Weg zu einer Ausbildung in Pflegeberufen.

Ich danke an dieser Stelle allen, die an diesem Abend arbeiten und für andere da sind. In den Hospizen und Kliniken, in Altenheimen und Sanatorien. Auch an den kommenden Feiertagen werden sie das tun. Ihre Arbeit ist ein unverzichtbarer Beitrag, damit unsere Gesellschaft nicht auseinander bricht. Das verdient unseren Respekt und dass sie entlastet werden durch bessere Arbeitsbedingungen.

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