Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Ich liebe es, zu verreisen. Ich möchte auf meinen Reisen so viele neue Eindrücke aufnehmen, wie möglich.

Deswegen plane ich auch immer alles genau durch, bevor ich abreise. Zum Beispiel möchte ich schon vorher eine Buchungsbestätigung haben, wo ich wann und wie übernachte. Ich möchte wissen, welche Sehenswürdigkeiten es gibt, welche Restaurants mir im Internet empfohlen werden und von welchem Punkt aus ich den Sonnenuntergang am besten sehen kann. Ich möchte meine Reisezeit möglichst effektiv nutzen.

Ich ahne aber, dass ich dadurch ganz viel am Reise-Ort gar nicht wahrnehme.

Denn eigentlich geht es doch beim Reisen darum, ganz offen zu sein für neue Eindrücke. Es hat mich interessiert, und deshalb habe ich nachgeschlagen: Das Wort „reisen“ bedeutet ursprünglich, dass ich aufbreche, mich auf den Weg mache. Es bedeutet also vor allem den Weg bis zum Reiseziel hin. 

Unterwegs kann ich meine Wahrnehmung verändern. Denn erst, wenn ich ohne Plan losziehe, kann mir das Fremde tatsächlich begegnen. Wenn ich mich dieser Fremde aussetze, der Fremde wirklich begegne, kann dies eine spirituelle Erfahrung sein. Ähnlich wie bei einer Pilgerreise. Ich werde dabei auf mich selbst zurückgeworfen, lerne mich selbst neu kennen. Wie begegne ich dem Unbekannten? Was fällt mir leicht, womit tue ich mich schwer?

Vom Reisen im ursprünglichen Sinn kann ich eigentlich nur sprechen, wenn ich mich selbst durch die Reise verändere. Und dafür muss ich auch ein gewisses Risiko eingehen.

Ich kann das sogar an meinen bisherigen, gut geplanten Reiseerfahrungen festmachen. Dinge, an die ich mich heute noch erinnere, sind die Erlebnisse, die ich eben nicht geplant habe. Etwa als auf einer Klippenwanderung plötzlich das Wetter gekippt ist. Erst schien die Sonne wunderschön, dann fing es in Strömen an zu regnen. Stundenlang. Ich bin auf dem aufgeweichten Weg ausgerutscht, in den Matsch gefallen und bin den Weg völlig verdreckt und durchnässt zu Ende gegangen. Als ich dann erschöpft am Zielort angekommen bin, ist plötzlich die wärmende Sonne durch die Wolken gebrochen und ich hatte einen traumhaft schönen Blick über das Meer. Eine unglaublich schöne Erinnerung, auch wenn die Wanderung überhaupt nicht so gelaufen ist, wie ich sie geplant hatte.

Spirituelle Erfahrungen kann ich nicht planen – aber ich ahne, dass sie sich eher einstellen, wenn ich ohne zu große Erwartungen unterwegs bin. Wenn ich es schaffe, mich auf Fremdes einzulassen und wenn ich offen bin für das, was mir begegnet.

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