Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Ich bin nicht perfekt.“ Das Lied, das ich Ihnen heute vorstelle, beginnt so. In Englisch, wie moderne Gospelmusik zumeist: „I know that I’m not perfect“. Perfekt zu sein, ich glaube, das gelingt niemandem. Darum ist die eigentliche Frage im Lied: Folgt etwas aus diesem Eingeständnis? Oder versucht man damit nur, seine Fehler zu verharmlosen, sich aus der Verantwortung zu ziehen oder sich selbst frei zu sprechen: „ich bin auch nur ein Mensch.“

Religiös verstanden, hätte dann aber das „ich bin nicht perfekt“ das Zeug zur Lebenslüge. Weil ich der Erfahrung ausweiche: ich kann mich als Mensch verfehlen. Ich bin Sünder. Die Autoren des Songs „Just the way I am“ wollen wahrhaftig bleiben: Ihr „ich“ stellt sich: „ich bin nicht perfekt und gewöhne mich sogar daran.“ Aber es leidet unter dieser Schwäche.

Musik 1  Str. 1

I know that I’m not perfect 
And I have to say 
That I already got used
To feel this way

I’m sad about my weakness 
Each and every day
But I already got used 
To feel this way

Ich weiß, ich bin nicht perfekt,
und ich muss bekennen,
dass ich mich schon daran gewöhnt habe,
dass ich so empfinde.

Ich bin traurig über meine Schwäche
Jeden einzelnen Tag
Aber ich habe mich schon dran gewöhnt,
so zu fühlen.

Wenn man erkennt: Ich bin keineswegs rundum gut, ich wäre gern anders. Oder: ich bin eingebunden in ungerechte Verhältnisse, die das Leben von anderen beschädigen. Wenn man begreift, ich werde schuldig an anderen. Wo ist der Ausweg? Tine Wiechmann und Christoph Georgii, sie haben dieses Lied geschrieben, sehen den Weg der Selbstoptimierung. Viele versuchen das, in vielen Lebensbereichen. Arbeiten hart an sich, orientiert an ihrem Idealbild.

Musik 2  
Pre-Chorus 

Someday I(‘ll) leave it all behind 
Perfection I can’t ?nd 
The fear that makes me blind
Someday I’m gonna unwind
The things that trap my mind 
My view that is de?ned

Eines Tages lass ich alles hinter mir,
Perfektion kann ich (eh) nicht finden,
Die Angst, die mich blind macht,
Eines Tages werde ich sie lösen,
die Dinge, die meinen Geist gefangen halten,
Und meine festgefahrene Sichtweise

Chorus 

I try to get closer 
As hard as I can 
But I’m sure that you love me
Just the way I am

Ich strenge mich an dem näher zu kommen,
so  s-e-h-r ich nur irgendwie kann.
Aber ich bin auch sicher, dass Du mich liebst
wie ich bin.

Kann man, muss man sich selbst optimieren, damit man zum Idealbild wird? Religiös gefragt: kann man sich selbst heiligen? Eigene Fähigkeiten und Talente üben, das kann man. Wie ein Musiker, der sein Instrument besser beherrschen lernt.
Aber sich beherrschen als Person? Und sich auf ein Bild hin ummodeln? Wer gibt dieses Bild vor, das „ideal“ ist? Womöglich folge ich falschen Erwartungen. Das Lied sieht diese Gefahr und sucht Hilfe, sich selbst zu finden. Das Lied wird zum Gebet: Gott möge helfen, dass man nicht im falschen Leben verharrt. Musik 3 Just the way I am  Str 2

´Musik 3 Just the way I am

I get mad about my habits 
And it’s not okay 
That I already get used
To feel this way  

I’m lost and I’m confused 
Lord, hear my prayer 
Don’t let me get used  
To feel this way

Ich bin wütend über meine Gewohnheiten
Und es ist nicht oK,
dass ich mich daran gewöhnt habe
So zu fühlen.

Ich bin verloren und durcheinander,
Gott, hör mein Gebet:
lass nicht zu, dass ich mich
daran gewöhne so zu empfinden.

Sich selbst ideal zu optimieren. Das muss wohl scheitern. Auch wenn es oft heißt, man könne sich neu erfinden. Meine Erfahrung: die eigenen Schatten sind immer schon da. Erst ganz am Schluss des Liedes, als es schon zu Ende scheint. Da leuchtet in der Coda Neues auf:

„I am sure that you loved me each an’ every day.

Ich bin sicher, Du, (Gott), hast mich immer schon geliebt. Jeden Tag.“

Also nicht erst dann, wenn ich optimiert bin, bin ich liebenswert. Immer schon, von Geburt an. Und vielleicht ist das das Fundament, dass ich mich auch verändern kann. Nicht weil ich muss, sondern weil es möglich wird.

Musik 4 Just the way I am 


I am sure that you loved me each an every day

Ich bin gewiss, Du hast mich (immer schon) geliebt, jeden Tag

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Musik 1-4
“Just the way I am” track 7 aus CD ENAIM   
With your Love

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28281

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