Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Es gibt Momente, da fehlen mir einfach die Worte. Ich setze mich erst einmal hin und brauche etwas Zeit, um zu verstehen, was passiert ist. So ging es mir vor zehn Jahren. Da kamen in den Nachrichten die Bilder des Amoklaufs aus Winnenden. Ich war sprachlos vor Entsetzen. Meine Tochter war erst wenige Tage zuvor zur Welt gekommen.

Und jetzt das: Acht Schülerinnen, ein Schüler, drei Lehrerinnen; drei weitere Menschen und der Täter selbst waren innerhalb weniger Stunden gestorben.  Ich musste an die Angehörigen dieser 15 Menschen denken. Sie alle, da bin ich mir sicher, wurden doch von ihren Eltern geliebt. 15 Menschenkinder, deren Eltern nach der Geburt hoffnungsvoll auf sie und ihr kommendes Leben geblickt haben - so wie mein Mann und ich damals auf unser Kind.

Wie groß müssen ihr Schmerz und ihre Trauer noch heute sein. Sprachlos bin ich im Grunde genommen noch immer. Denn bei solch einem Verlust kann es keinen wirklichen Trost für die Angehörigen und Freunde geben.

Woran ich mich auch erinnere: zum Trauergottesdienst damals vor zehn Jahren wurden in ganz Baden-Württemberg die Kirchenglocken geläutet. Glocken als Zeichen der Solidarität und Trauer. Im ganzen Land wurden die Menschen erinnert: An die Opfer, an die Angehörigen und an ihren Kummer. Mir hat das damals gut getan. Mein Alltag wurde unterbrochen. Die Glocken haben ausgedrückt, was ich gefühlt habe: Schmerz, Wut und Sorge. Mein eigenes Kind war ja gerade erst ein paar Tage alt.

Seit alters her läuten Glocken nicht nur zu freudigen Anlässen. In unserem Ort werden sie morgens um 8 Uhr geläutet, wenn ein Gemeindeglied am Mittag beerdigt wird.  Am Totensonntag verlesen wir die Namen der Verstorbenen Dabei läutet die Totenglocke. Wir legen die Namen sozusagen in den Klang der Glocken. Damit vertrauen wir unsere Verstorbenen Gott an. Das ist für mich eine tröstliche Vorstellung. Auch und gerade wenn Trauer und Leid wieder hochkommen, so wie heute, wenn ich an Winnenden denke. Bei Gott sind die Verstorbenen geborgen. Die Glocken halten die Erinnerung wach, für mich verbindet ihr Klang Himmel und Erde. Darum bleibe ich manchmal einen Moment stehen, wenn ich Glocken im Alltag läuten höre und denke an einen lieben Menschen, der schon gegangen ist.

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