Manuskripte

SWR3 Worte

An manchen Orten wird Stille zum Erlebnis. Der Journalist Alard von Kittlitz erzählt was er in einem Kloster erlebt hat:

„Der Mönch öffnet die Türen, zu sehen ist ein Raum im Zwielicht, an der Wand gegenüber des Eingangs ist ein Kruzifix, eine Vase mit dezent arrangierten Blumen, Sitzkissen, mehr nicht. Aber in diesem Raum ist noch etwas. Es ist unmöglich, dieses Etwas zu sehen, zu hören, doch es scheint auch unmöglich, diesem Etwas auszuweichen.

Es springt einen beinahe an, für ein paar Momente bleibt einem die Luft weg, so spürbar beginnt es hinter der Schwelle. Es ist eine immense, eine furchtbare, eine große, vollkommene Stille. Der Mönch verbeugt sich tief mit gefalteten Händen, bevor er die Türen wieder verschließt. „Einen Hauch“, sagt er dann leise, „spürt hier noch jeder. Jeder.“

Alard von Kittlitz, Wie viel Stille ertragen wir?, in: Die ZEIT am 19.12.2018

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