Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Wann ist Vater Unser“, flötet eine Kleine hinter mir in der Kirche, „das mag ich so“. „Ich nicht“, brummt jemand neben ihr, „ich hab das immer abschreiben müssen, wenn ich frech war, sonst setzte es was von meinem Vater.“ „Oh, armer Opa“, sagt die Kleine, „mein Papa ist lieb“.

Oh ja, denke ich, ein Vater prägt. Auch das Bild von Gott. Wie bei Martin Luther. „Er schlug mich bis aufs Blut“, schreibt er über seinen Vater und fürchtet lange auch einen Strafegott. Nicht ungewöhnlich damals. Und heute? Stockschläge. Stühle, am Rücken gebrochen, um Kinder zu brechen. In Gottes Namen. Dieser Tage waren sie wieder zu hören, solche Szenen.

„Einmal hab ich geflüstert“, erzählt ein einstiger Domspatz, „kurz vor der Wandlung, der Wandlung des Messweins, da flog der goldene Teller der Hostie auf mich zu, wie ein Diskus, scharfkantig an meine Schläfe. Blutend gab ich den Teller nach vorn, der Priester blies drüber, die Wandlung ging weiter.“ 

Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht... Wussten sie nicht, was sie tun? Ich weiß nur: Es ist viel zu vergeben. Wie viele Seelen wurden gebrochen, was hat die Kirche - auch die evangelische - verbrochen? „Die Wandlung ging weiter.“ Oh nein, nicht weit genug, es braucht Wandlung, Wende, Reformation, einen liebevollen Gottvater, wie ihn Luther entdeckt hat, sinniere ich auf der Kirchenbank. Da flötet es: „Endlich. Vater Unser!“ Ich bete leise mit „und vergib uns unsere Schuld“.

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