Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Ein Ohrwurm. Das ist ein Lied, das sich einfach nicht mehr aus den Gehörgängen vertreiben lässt. Das durch den Kopf kreist – immer wieder und wieder. Ein Lied kann nur zu einem Ohrwurm werden, wenn es eingängig ist. Wenn man es sich leicht merken kann. Text- und Melodiewiederholungen geben einem Lied die Chance, ein Ohrwurm zu werden. Auch das Lied »Brot, das die Hoffnung nährt« hat so einen Ohrwurmcharakter. Kurze Texte und der ständig wiederkehrende Refrain »Lied, das die Welt umkreist« tragen dazu bei.

1) Brot, das die Hoffnung nährt, Freude, die der Trauer wehrt, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist. Wolke, die die Feinde stört, Ohr, das von Rettung hört, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist.

Der katholische Priester Wilhelm Willms schrieb den Text 1974 unter dem Titel »Neues Lied im alten Land«. Zusammen mit vielen weiteren Meditationen über das Brot, das im christlichen Gottesdienst eine besondere Rolle spielt. In der ersten Strophe seines Liedes greift Willms auf Bilder zurück, die aus dem Alten Testament stammen. Da fliehen die versklavten Israeliten vor der ägyptischen Armee. Ihre Rettung ist märchenhaft. Auf ihrer Flucht finden sie Brot und Wasser, Gott zieht ihnen als Wolke und Feuersäule voraus. Willms weitet diese Bilder mit dem wiederkehrenden Refrain »Lied, das die Welt umkreist«. Dass Brot der Hoffnung Nahrung gibt, dass Freude die Trauer vertreiben soll, davon singen und sagen nämlich bis heute Menschen. Hoffen auf Rettung in der Not und auf Hilfe in der Gefahr.

 

2) Wort, das das Schweigen bricht, Trank, der die Brände löscht, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist. Regen, der die Wüsten tränkt, Kind, das die Großen lenkt, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist.

»Lied, das die Welt umkreist«, da denke ich an einen Satelliten. Der unablässig um die Erde kreist. Der immer da ist und seine Signale sendet. So ähnlich verstehe ich auch das Lied. Es erzählt davon, dass Menschen unablässig Hoffnungen haben. Träumen von einer Welt, in der tatsächlich Worte das Schweigen brechen. In der ein Regenguss vertrocknete Erde wiederbelebt. In der die Großen, die Mächtigen, erkennen, für wen sie eigentlich da sind: Für die Ohnmächtigen und Machtlosen. Es ist der Satellit namens Hoffnung, von dem dieses Lied singt. 

3) Kraft, die die Lahmen stützt, Hand, die die Schwachen schützt, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist. Brot, das sich selbst verteilt, Hilfe, die zu Hilfe eilt, Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist.

Es gibt Gedanken, Ideen, Hoffnungen, die in Herz und Kopf kreisen und einfach nicht verstummen. Ich glaube, dass Wilhelm Willms genau das meint, wenn er von dem Lied spricht, das die Welt umkreist. Da hofft eine Familie darauf, dass eine Operation erfolgreich verläuft. Da sehnt jemand eine Versöhnung herbei nach Jahren des Streits. In solchen Momenten erklingt das Lied der Hoffnung. Aber auch wenn sich Menschen versammeln und gegen eine ungerechte Regierung demonstrieren.

Dieses Lied der Hoffnung ist vor allem ein Lied des Glaubens. Eines Glaubens, der ganz eng mit Freiheit und Gerechtigkeit verbunden ist. Eines Glaubens, der darauf beruht, dass Menschen befreit werden von Angst und Not und erlöst leben können.

Lied, das die Welt umkreist, das die Welt umkreist.

 

Brot, das die Hoffnung nährt (Neues Lied im alten Land)

Text: Wilhelm Willms (1974)

Musik: Peter Janssens (1974)

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