Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Mit Sprache kann man Stimmung machen. Je nachdem, welchen Begriff ich für eine Sache gebrauche, stelle ich sie gut oder schlecht dar. Mir fällt auf, dass immer wieder neue Begriffe in Umlauf gebracht werden, um etwas, das eigentlich gut ist, schlechtzureden. Die ersten, bei denen ich das bemerkt habe, waren die ‚Gutmenschen‘. Auf einmal wurden Menschen, die versucht haben, anderen zu helfen, als naive Idealisten belächelt, die keine Ahnung von der Welt haben. Zum Glück haben viele sich davon gar nicht irritieren lassen und dadurch gezeigt, dass es ihnen um die Sache ging und nicht darum, selbst gut dazustehen.

Ähnlich schlecht wie den ‚Gutmenschen‘ ging es auch der ‚Nächstenliebe‘. Auf einmal wurde von ‚Übernächstenliebe‘ gesprochen und geschrieben. Die Botschaft sollte wohl heißen: Bei uns gibt’s doch schon genug Arme, um die sich die Christen kümmern können. Ja, bei uns gibt es viele Menschen, die Hilfe brauchen. Und es wird auch geholfen, in der Nachbarschaftshilfe, bei Hausaufgaben, im Tafelladen, in der Pflege, in Wärmestuben für Obdachlose. Tag für Tag, ohne dass man‘s immer merkt.

Aber in dem Wort von der ‚Übernächstenliebe‘ liegt noch eine andere Aussage, und die ist erst recht abschätzig gemeint. Es ist der unausgesprochene Nachsatz: Was gehen uns die Leute aus anderen Ländern an? Ja, sie gehen uns an, auch sie. Die, die in fernen Ländern leben und dort bleiben, und die, die ihr Elend hierher treibt, weil sie hier auf bessere Chancen hoffen. Sie gehen uns an. Nicht nur, weil in einer globalisierten Welt alles mit allem zusammen hängt. Zum Beispiel unsere Wirtschaftskraft mit der Armut in anderen Ländern. Sie gehen uns an. Alle, die Hilfe brauchen, haben den Anspruch, dass ich in ihnen meine Nächsten sehe. Auch wenn ich nicht allen helfen kann. 

Nächstenliebe  ist so etwas wie das christliche Markenzeichen in der Welt, denn sie ist das Vermächtnis, das Jesus uns hinterlassen hat. Deshalb ist sie zu kostbar, um sie für Flügelkämpfe zu instrumentalisieren. Aber wenn die Wörter schon mal in der Welt sind: Meinetwegen kann man‘s auch Übernächstenliebe nennen – solange die nicht gegen die vermeintlich nähere Nächstenliebe ausgespielt wird. Ich reg mich ja auch nicht mehr auf, wenn mich jemand als Gutmenschen bezeichnet. Besser Gutmensch als Schlechtmensch.

 

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