Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Wissen Sie eigentlich, was Ihr Geld auf der Bank so treibt?“ Diese Frage habe ich vor vielen Jahren mal gehört, zur selben Zeit, hier auf diesem Sendeplatz. Es ist schon ganz lange her, dass ein Kollege mit dieser verblüffenden Frage seinen Beitrag eröffnet hat. Damals hatte ich noch kein Geld übrig, das ich auf eine Bank hätte bringen können. Aber die Frage hat bei mir gezündet, und ich habe sie seither nie vergessen.

Auch nicht, als ich später dann tatsächlich die Möglichkeit hatte, etwas Geld zurückzulegen. Welche Anlageform sollte ich wählen? Was erwarte ich von meinem Geld? Soll es hohe Renditen erwirtschaften? Soll es besonders sicher sein? Und was soll die Bank oder die Gesellschaft, der ich es anvertraue, damit finanzieren? Und vor allem: was soll eben nicht mit meinem Geld finanziert werden, etwa die Rüstungsindustrie oder Koltanminen, die arme Länder ausbeuten und verwüsten?

Weil das alles gar nicht so leicht zu durchschauen ist, habe ich mal bei verschiedenen Banken nachgefragt. Ganz naiv bin ich mit einer Checkliste losgezogen. Dabei habe ich bald bemerkt, dass manche Banken gar kein Interesse hatten, mit mir ins Geschäft zu kommen, wenn ich schon anfange, solche Fragen zu stellen. Vielleicht waren ihnen die Anlagebeträge zu popelig oder sie wollten nicht wirklich Auskunft geben, was mein Geld bei ihnen denn so ‚treiben‘ würde.

Vielleicht ist das grenzenlos naiv. Aber nach einigem Suchen habe ich tatsächlich Spar- und Anlagemöglichkeiten gefunden, die meinen Vorstellungen und Werten entsprechen, na ja, sagen wir: die ihnen nicht krass widersprechen. Denn Geld anzusammeln, während anderswo Menschen nicht das Allernötigste haben, das macht mir immer wieder ein ungutes Gefühl. Weil ich mein Christsein ernst nehmen will. Natürlich sage ich mir auch, dass ich vorsorgen muss, sonst liege ich am Ende selbst anderen oder dem Sozialstaat auf der Tasche. Aber wie viel ist sinnvolle Vorsorge? Und wo beginnt die Freude am Haben sich zu verselbständigen und schließlich zur Gier zu werden?

Ich werde mit diesen Fragen nicht fertig. Sie treiben mich einfach um. Und ich finde es wichtig, dass sie mich umtreiben. Deshalb will ich wenigstens wissen, was mein Geld auf der Bank so treibt. Und selbst entscheiden, was es treiben darf und was nicht.

 

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