Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Humor ist auch eine gute Geschichte. Weil: mit Humor kommt man besser aus unguten Geschichten raus. Manchmal könnte man sich doch den ganzen Tag aufregen. Da hat man einen super Zeitplan. Schnell noch von A nach B. Dazwischen einkaufen und Briefe zur Post. Und alles würde super klappen, wären da nicht andere, die einen ausbremsen. Mich zum Beispiel hat jemand ausgebremst, weil er einfach bei grün an der Ampel stehengeblieben ist bis es wieder rot war.

„Na toll! Jetzt komm ich zu spät und kriege wieder was zu hören von wegen nicht pünktlich, klage ich einer Freundin, man könnte sich den ganzen Tag aufregen!“  „Stimmt, sagt sie, man könnte sich den ganzen Tag aufregen. Aber man ist nicht verpflichtet dazu!“

Wir schauen uns an und auf einmal ist der Druck raus. Humor ist eine gute Sache. Wenn man die Spur wechseln will. In Mainz, wo ich lebe, wird grade wieder der Humor zelebriert. Auf der Gass und im Saal. Ursprünglich hatten sich die Mainzer auch furchtbar aufgeregt. Über ihre französischen Besatzer. Aber sie sind darüber nicht verbittert geworden, sie haben den organisierten Humor erfunden. Fassenacht mit der Narrengruß- Hand an der Narrenkappe. Damit haben sie den militärischen Gruß der Franzosen lächerlich gemacht. Gute Geschichte. Mit Humor die Perspektive wechseln. Angst und Ärger verlachen. Und wieder wissen, was wichtig und was unwichtig ist. Und dass keiner von uns der liebe Gott ist.

Für meinen Ärger habe ich mir deshalb eine Sammlung von guten Geschichten und Pointen zugelegt. Hilft ungemein. Eine gute Geschichte ist mir wieder eingefallen, nachdem mich jener Mann an der Ampel ausgebremst hat. Die Geschichte hat mir ein Mann erzählt, dem genau das in Mainz passiert ist. Weil er an der Ampel auf eine Karte geschaut hat, hat er verpasst loszufahren und hat es erst gemerkt, als sie von grün auf gelb auf rot umgesprungen ist.

Kurz darauf klopft jemand an seine Scheibe. Er zieht den Kopf ein und lässt das Fenster runter. Da steht ein Mann und lacht ihn an und sagt: „Na junger Mann, war keine Farbe für sie dabei?“ Gute Geschichte. So eine wünsche ich Ihnen heute.

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