Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Menschen sind auf der Flucht – schon immer; wer ihnen die Tür weist, lädt auch den Flüchtling Jesus gleich wieder aus – nicht nur kurz nach Weihnachten…

Immer noch sind siebzig Millionen Menschen auf der Flucht – alle zwei Sekunden muss jemand von zu Hause aufbrechen und fliehen; auch und gerade heute, in ganz Europa und im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika – die Nachrichten sprechen immer noch fast täglich davon; und in vielen Ländern hat die Abneigung gegen die angeblich so vielen Fremden sehr seltsame nationale und populistische Bewegungen groß gemacht sogar im angeblich so christlichen Europa.

Aber auf der Flucht sind Menschen schon seit über zweitausend Jahren immer wieder mal. Die biblischen Lesungen in den Kirchen haben um Weihnachten herum daran erinnert. Daran, wie es der Familie Zimmermann Josef aus Nazaret ergangen ist, damals: Sowieso schon in einer fremden Stadt hatten sie ihren Sohn zur Welt gebracht, im Notquartier, bestenfalls einem besseren Stall. Und dann verbreitet sich die Nachricht, dass da gerade ein durchgeknallter Kleinmachthaber mit dem Titel König sich bedroht fühlt und mal eben alle neugeborenen Jungs totschlagen lässt. Herodes – politisch wirklich ein eher kleines Licht; aber die Besatzungsmacht ließ ihn machen – und wenn er seine Macht bedroht sah, sollte er doch dreinschlagen.

Laut Bibel hat da ein Engel den frischgebackenen Vater Josef nachts aus dem Schlaf gerissen. Er sagt: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieht nach Ägypten – der König trachtet euch nach dem Leben.

Das Jesuskind verbringt seine ersten Tage und Jahre auf der Flucht – kann man da noch ernsthaft fragen, auf welcher Seite Christenmenschen heute zu stehen haben? Man kann – schon vor längerer Zeit bekam ich eine Mail, in der jemand seinen Austritt aus der katholischen Kirche bekanntgab. Begründung: Die Kirchen, speziell die katholische Kirche sei Schuld an der Flüchtlingswelle – so nannte er das.

Schuld an der Welle! Einfach weil christliche Stimmen darauf hinweisen, dass Menschen auf der Flucht menschlich behandelt gehören, aufgenommen versorgt integriert – einfach weil sie Menschen sind und keine Welle. Weil christliche Hände helfen, wo es nur geht – wo soll da Schuld sein?

Es ist einfach so herum richtig: Menschen, die heute auf der Flucht sind wie Jesus und seine Leute damals: In ihnen treffen wir ihn selbst. So rettet man nämlich am Ende das christliche Abendland, das so oft beschworene. Hat er schon selbst so gesagt: Ich war fremd – und ihr habt mich aufgenommen. Und „Herr, wo hätten wir dich denn fremd gesehen und aufgenommen…“ muss nach unseren Erfahrungen in den letzten Jahren niemand mehr fragen.

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