Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Finden wir nur noch das wahr, was uns gefällt? Ist es wirklich so weit gekommen mit uns? Wahr ist was mir passt? Was mir nicht passt, ist Lüge?

Die Frage beschäftigt mich sehr. Neu befeuert hat sie, was eine französische Journalistin erzählt hat: Von den Protesten der „Gelbwesten“ in Paris. Viele Protestierende sind wütend auf ‘die Medien’, vor allem aber auf ihren Sender BFM. Kollegen von ihr sind tätlich angegriffen worden. Dabei war ihr Sender lange „der Liebling“ der einfachen Leute. Nicht so elitär. ‘Das ist „unser“ Sender haben viele gesagt.’ Aber jetzt ist die Stimmung gekippt. Gegen uns, hat die Journalistin erzählt. Weil wir nicht nur Proteste gezeigt haben, sondern auch ihre hässliche Seite. Wie der Triumphbogen in Paris attackiert worden ist. Die Gelbwesten wollten so positiv gezeigt werden, wie sie sich selber sehen.

Wahr ist, was uns gefällt, was wir „liken“. Alles andere also „Lüge“? Und wer anderes sagt, natürlich auch ein Lügner. Das gibt es nicht nur in Frankreich und bei „Gelbwesten“. Ich fürchte, dieses Denken greift um sich. Auch bei mir.

Aber stellen Sie sich mal, wir machen das zum Wahrheitskriterium: ‘Wahr ist, was mir gefällt.’ Bei facebook und twitter ist es schon so. Ich kann mir zusammenfreunden, was ich sehen und lesen will. Was mir nicht gefällt, kann ich mit einem „wütend“ Button abkanzeln. Und der Algorithmus zeigt mir nur noch, was meine Weltsicht bestätigt.

Ich glaube, davon wird man kurzsichtig oder sogar blind. Wenn „gefällt mir“ der Filter ist, dann blenden wir alles andere weg. Dann muss ich nicht prüfen was ich immer schon meine. Man bleibt stehen, wird dumm. Das ist so, als würde ich nicht zum Arzt gehen. Weil ich fürchte, seine Wahrheit gefällt mir nicht.

Ich glaube, ich muss mir zumuten, die Welt mit Augen und Ohren von Menschen zu sehen, die anders denken, anders ticken, anders leben als ich selbst. Auch ihre Wahrheit sehen.

Die Wut der Gelbwesten, von der die Journalistin erzählt hat, hat mich aber noch an etwas erinnert: Wer öffentlich schreibt wie Journalisten oder im Radio redet, ist nicht nur seiner Zielgruppe verpflichtet. Dass denen immer gefällt, was sie sagen und schreiben.

Robert Geisendörfer war der Gründervater der modernen evangelischen Publizistik. Er hat gesagt: „Journalisten und Publizisten sind da, um denen eine Stimme zu geben, die sonst keine haben.“ Vielleicht ist die Wut der einfachen Leute auf Medien auch so groß, weil sie darin nichts sagen können. Wo sie das Leben drückt.

 

 

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