Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In der Bahn, da kann man Sachen erleben. Die sind einfach schön und tun in der Seele gut. Das Erlebnis in der Bahn, von dem ich Ihnen erzählen möchte, davon kann man sich auch noch was abgucken: Was der Seele gut tut, auch sonst. Dazu muss man nicht Zug fahren. Aber zuerst erzähle ich Ihnen, was ich erlebt habe.

Früher Nachmittag, im Zug zwischen Karlsruhe und Stuttgart. Großraumwagen. Es ist relativ ruhig. Ich habe ein bisschen vor mich hingedöst. Und wache auf von einem fröhlichen Glucksen. Auf der anderen Seite vom Gang sitzt eine junge Familie. Papa, Mama, Kind. Ich schätze den kleinen Mann so zweieinhalb. Er ist gut drauf. Erst liegt er völlig entspannt und losgelöst rücklings quer über den Schoß seiner Mama, streckt sich, dehnt sich, lässt es sich gut gehen.

Dann stellt er sich hin, auf ihre Oberschenkel, schlingt seine Ärmchen um ihren Hals und hüpft auf ihr herum wie ein Flummi. Dann wechselt er das elterliche Turngerät. Jetzt ist Papa dran: Der muss ihn an den Füßen hochheben. Kopfüber hängt der Kleine nach unten. Angst- nicht die Spur. Und so geht es weiter und weiter.

Ist das nicht groß? Wenn ein Kind das erfahren kann: Ich muss kein bisschen Angst haben. Furcht ist einfach kein Thema. Da sind Menschen, denen kann ich bedingungslos vertrauen. Sie halten mich, sie passen auf, sie verbieten nicht, was Freude macht. Sie sind Kletterbaum und warmes Herz in einem. So wachsen Seelen. Manche werden so stark, die bekommen einen Kern, der ist irgendwie unverletzlich. Egal was ihnen im Leben passiert.

Es ist ein Glück, wenn man so ein Mensch werden kann, dem so ein Urvertrauen immer bleibt. Darum bittet auch schon ein alter Psalm in der Bibel: „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht was er Dir Gutes getan hat.“ Ich hoffe, der Kleine im Zug vergisst es nicht. Das Gute.

Ich habe am Anfang gesagt. Ich glaube, dass man sich von diesem Erlebnis auch was abgucken kann. Auch als Erwachsener.

 

„Vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.“ Vielleicht ist das mit das Wichtigste, damit man kein Griesgram wird oder gar wütig. Damit man nicht verbittert und auch nicht zu ängstlich wird. Mir immer auch vor Augen führen, was gut ist.

Und noch etwas: Warum sollten wir als Erwachsene uns nicht ab und zu auch so was gönnen wie der kleine Mann im Zug. Ich muss ja nicht auf dem anderen herumklettern. Aber zart zueinander sein, einander die Seele stärken und das Herz wärmen. Zeigen, dass wir einander vertrauen können. Und Gott auch.

 

 

 

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