Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Mittwochmorgen, halb neun in Freiburg. Berufsverkehr, alle haben es eilig, die Straßen sind voll. Da übersieht ein LKW Fahrer eine junge Frau an einer Kreuzung. Schwer verletzt muss sie ins Krankenhaus. Als ich an der Stelle vorbei komme, sehe ich überall Blaulicht und eine gesperrte Straße. 

In den Tagen danach denke ich immer wieder an den LKW Fahrer und die junge Frau. Der LKW Fahrer ist vielleicht seit Jahren unfallfrei unterwegs gewesen. Doch von einer auf die andere Sekunde verändern sich sein Leben und das der jungen Frau radikal. Hoffentlich geht es ihr bald besser. Ich wünsche beiden, dass ihr Leben gut weitergeht.

Ich kenne das Gefühlschaos, wenn etwas passiert ist. Schon bei kleinen Unfällen fühle ich mich oft hilflos, bin wütend oder verzweifelt, alles durcheinander. Ich will am liebsten die Zeit zurückdrehen oder weglaufen.

Zwar piept heutzutage jedes Auto, wenn ich nicht gleich angeschnallt bin. Und die vielen Verkehrsschilder und Vorschriften kann ich schon nicht mehr zählen. Und doch: Absolute Sicherheit vor Unfällen gibt es nicht. Nicht nur im Straßenverkehr ist mein Leben viel zerbrechlicher als ich oft denke. Was jetzt gerade so selbstverständlich scheint, kann nach wenigen Sekunden ganz anders aussehen.

Unfälle kommen mir immer total sinnlos vor. Wenn ich von einem Unfall überhaupt irgendetwas lernen kann, dann ist es dieser andere Blick. Auf einmal scheint alles viel weicher und verletzlicher. Alle anderen Probleme schrumpfen plötzlich in sich zusammen.

Ich erinnere mich aber auch an die Momente, wo ich viel Glück hatte. Da hat mich als Kind ein Auto übersehen, ich fliege einmal über die Straße und bleibe doch unverletzt. Da bin ich heute noch dankbar, dass ich so schnell wieder auf die Beine gekommen bin.

Wenn Sie gerade unterwegs sind, wünsche ich Ihnen eine gute, sichere Fahrt. Wenn Sie es eilig haben – atmen Sie erst mal durch. Ich mache mir oft viel Stress wegen ein paar Minuten, die ich schneller sein will. Bis mir endlich wieder einfällt, dass es darauf nicht ankommt. Denn das Leben kann so zerbrechlich sein. Gerade deshalb ist es so einzigartig.

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