Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Was auf unserer Welt geschieht, ist oft hart und unbarmherzig. Aber an dem, was ist, kommt keiner vorbei.

Kain schlägt Abel tot. Seinen Bruder. So steht es in der Bibel.[1] Der Grund: Eifersucht. Gott hat sich mehr für Abel interessiert. Kain kommt sich deswegen minderwertig vor, weniger geliebt. Er fühlt sich bloß als Zweiter in der Gunst Gottes. Und das ärgert ihn, macht ihn wütend, bringt ihn zur Raserei. So sehr, dass er kurzerhand seinen Bruder erschlägt, als der auf dem Feld arbeitet. Hinterrücks, kaltblütig. Von da an ist die Welt, die Gott geschaffen hat, nicht mehr die, die sie war. Seither ist unzählige Male getötet worden, ein Mensch von einem anderen. So oft, so grausam, dass man beinahe annehmen möchte, das sei eine besondere Begabung des Menschengeschlechts. Ist der Mensch in dieser Hinsicht schlimmer als die Tiere?

Jeden dritten Tag tötet in Deutschland ein Mann seine Frau. Den Menschen, den er einmal geliebt hat, mit dem er durchs Leben gehen wollte. Bis irgendetwas geschehen ist, was die vermeintlich heile Welt auf den Kopf gestellt hat. Ein Betrug, ein Verrat. Manchmal reicht es, das bloß zu vermuten. Und die Eifersucht wächst und wächst. Ja. Aber: Wie kann es sein, dass ein Mensch deshalb tötet? Wenn ich sehe, was Tag für Tag Menschen einander antun, kommen mir wirklich Zweifel, wie es um unsere Anlagen bestellt ist. Das Böse ist in vielen Fällen mit Händen zu greifen. Dass der Mensch frei ist, sich entscheiden kann, führt ihn leider viel zu oft in den Abgrund, und er reißt andere dabei mit: in großes Leid, in den Tod.

Gott konfrontiert Kain mit seiner Tat. Kain möchte leugnen und ausweichen, aber das klappt nicht. Gott will, dass Kain zu seiner Tat steht und ver-steht, was er da getan hat. Kain muss sich dem Abgrund seines Tuns aussetzen. Solange bis sich in ihm etwas ändert, bis das Gute sich in ihm regt, bis er seine Schuld verstanden hat und künftig als anderer Mensch durchs Leben geht. Weiterhin frei, weiterhin in der Lage zwischen Gut und Böse zu wählen. Aber so geläutert, dass er seinem Hass, seinem Neid, seinem Egoismus nicht mehr willenlos ausgeliefert ist. Und nicht mehr ins Nichts fällt, wo der Tod lauert.

Ich will und werde an dieses Gute im Menschen glauben. Ich will besonders darauf achten, wo ich dazwischen gehen muss, um Schlimmes zu verhindern. Ich kenne keinen anderen Weg, um dem Kampf „Mensch gegen Mensch“ zu begegnen.



[1] Gen 4,1-16

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27665

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