Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ein Mann sagt zu mir: „Ich habe eine gute Frau.“ Dieser Satz hat’s in sich.

Während meiner Reha im Oktober hatte ich drei Wochen lang den gleichen Tischnachbarn. Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Wir haben drei Mahlzeiten am Tag gemeinsam eingenommen, Tag für Tag. Da lernt man mit der Zeit den anderen kennen. Am Ende haben wir gewusst, was der andere gern isst, welche Hobbies er hat, wie er Beruf und Freizeit in Einklang bringt. Über unsere Familien haben wir natürlich auch gesprochen. Und als ich ihn einmal nach seiner Frau gefragt habe, da ist jener Satz gefallen, der mich sehr berührt hat: „Ich habe eine gute Frau.“ Der Satz ist nichts Besonderes, er ist an Schlichtheit kaum zu überbieten. Ein harmloses Kompliment aufs erste Hören. Und doch steckt in diesem Satz so viel. An Liebe, an Respekt, an Treue. Das hat auch daran gelegen, wie mein Bekannter ihn gesagt hat. Ganz selbstverständlich, fast nebenbei. Aber gleichzeitig so echt und ehrlich, dass mir die Worte ins Herz gedrungen sind. Und da sind sie bis heute. Wenn ich an meinen Bekannten denke, dann kommt mir immer dieser Satz in den Sinn. Er wohnt vierhundert Kilometer von mir entfernt, wir haben außer einem kurzen Telefonat keinen unmittelbaren Kontakt mehr. Aber wegen dieses einen schönen kurzen Satzes mag ich ihn sehr und fühle mich ihm sehr verbunden.

„Ich habe eine gute Frau, einen guten Mann.“ Wenn das einer über seinen Partner sagt - mit dem er dreißig Jahre zusammen ist - mit dem er vielleicht Kinder hat - mit dem er eine schwere Krankheit und bestimmt so manch anderes durchgemacht hat. Das ist für mich ein wunderbares Zeichen, wie gut Menschen es miteinander machen können. Dass da ein enormes Potential an Gutem in uns steckt. Dass wir nicht nur an uns selbst denken, sondern merken und wissen und schätzen, wie viel wir an einem anderen Menschen haben. Dass wir es allein oft nicht schaffen würden.

Ich finde: Wir sollten es einander öfter sagen, wenn wir das tiefe, innige und ehrliche Gefühl haben, dass ein anderer gut ist. Und dass wir ihn deshalb gern haben, dass er nicht nur allgemein gut ist, sondern uns gut tut, und damit unser Leben heller und schöner macht. Ich glaube fest daran, dass das Frieden schafft im kleinen und so auch unsere große Welt verändert.

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