Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Manchmal, wenn ich jetzt im Advent am Rhein spazieren gehe, setze ich mich auf eine Bank, und schaue den Schiffen zu, die vorbeifahren. Es sind oft mächtige, große Frachtschiffe, die gegen den Strom kämpfend von Norden Richtung Karlsruhe, Straßburg oder Basel unterwegs sind oder umgekehrt von dort Richtung Köln und weiter über die holländische Grenze zur Küste hin.

Auch wenn die Frachtschiffe in diesem Jahr wegen des niedrigen Wasserstandes meist nur halb beladen sind. Wie kostbar ihre Fracht ist, merken wir inzwischen auch an den Tankstellen.

Die Schiffe auf dem Rhein erinnern mich an ein Adventslied: Es kommt ein Schiff geladen, bis an den höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

Der Straßburger Pfarrer Daniel Sudermann hat es im Nachlass des mittelalterlichen Mystikers Johannes Tauler entdeckt und neu bearbeitet. 1626 hat er es erstmals in seinem „Straßburger Gesangbuch“ veröffentlicht. Überschrieben hat er es mit: „Ein uralter Gesang. So unter deß Herrn Tauleri Schriften funden, etwas verständlicher gemacht“.

Das Schiff ist ein altes, menschliches Sinnbild für die Begegnung zweier Welten. Für die Begegnung von Meer und Land, von nah und fern, von Himmel und Erde, von Gott und Mensch. Es steht für Aufbruch und Ankunft in neuen Welten und für die Reise dahin. So ist es unterwegs, geht mal hier, mal dort vor Anker, muss den richtigen Kurs suchen und halten, bis es irgendwann den Hafen seines Ziels erreicht hat.

In den Schriften Taulers ist das Schiff aber vor allem ein Bild für das „gemuet“, für die Seele, die sich zu Gott hinwendet. Sie ist unterwegs, auf der Reise, auf der Suche nach dem Ort, an dem sie zur Ruhe kommen kann, an dem sie nicht mehr unstet, heimatlos und bang vor den Untiefen des Lebens unterwegs sein muss, sondern ankommen kann im Land des Friedens und des Lebens.

Das Lied singt davon, dass auch Gott sich aufmacht. Voller Gnade. Dass sein Sohn, die ewige Verkörperung dieser Gnade, auf einem Schiff unterwegs ist. Zu den Menschen. Zu mir. „Unter dem Segel der Liebe“, dichtet Tauler wunderbar poetisch. Ich denke unwillkürlich an Gelassenheit, Ruhe, geborgen sein, angenommen sein, loslassen können.

Ein, wie ich finde, schöner Gedanke, den mir Daniel Sudermann mit seinem Lied jetzt im Advent in die Seele legt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27650

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