Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Kennen Sie sich mit Sternen und dem Sternenhimmel aus? Ich nicht. Leider. Der Sternenhimmel ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Selbst wenn es aufgeschlagen vor mir liegt, kann ich es nicht lesen. Ich kenne Sterne und Sternzeichen, aber ich kann sie nicht verorten.

In seiner Geschichte über die Geburt Jesu erzählt der Evangelist Matthäus von drei „Weisen“, wörtlich „Magiern“, aus dem Morgenland, die einen außergewöhnlich hellen Stern am Himmel entdecken. Es ist ein Stern, den sie noch nie gesehen haben. Ein Zeichen des Himmels, dass ein großer König zur Welt kommt. So deuten sie dieses Zeichen. Und machen sich auf den Weg, diesen König zu suchen.

Ich frage mich, was die Weisen dazu bewogen hat, aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. Der Stern muss eine ungeheuer starke Hoffnung in ihnen geweckt haben, sonst hätten sie niemals ihre Heimat verlassen, um ihm zu folgen. Was suchen sie?

Einen Weisen, der noch gelehrter ist als sie und ihnen endlich erklären kann, was bisher unerklärbar blieb? Einen starken Mann, der endlich Ordnung bringt in das Chaos, in dem ihr Land, in dem die Welt versinkt? Einen barmherzigen Samariter, der die Armut sieht, die sozial Benachteiligten im Land ernst nimmt und etwas für sie tut? Oder einen Friedefürsten, der Menschen, Ethnien, Nationen miteinander versöhnen kann?

Ich finde es beeindruckend, mit welcher Gewissheit sie, nur aufgrund der Erscheinung eines Sterns, aufbrechen, ihre Heimat, ihr gewohntes Umfeld verlassen, sich auf den Weg machen, ihre Fragen stellen. Ich kann das nicht immer. Oft verharre ich in meinem Alltag, bin mir unsicher und froh, wenn ich irgendwie durchkomme. Aber diese Sehnsucht nach Veränderung für mich, für die Welt, die kenne ich auch. Besonders wenn ich im Fernsehen die Nachrichten von Krieg, Gewalt und Hunger in so vielen Teilen der Erde sehe.

Die Weisen wissen ganz genau, wen sie suchen. Nicht irgendeine Sache, eine Idee, eine Philosophie oder Ideologie, sondern eine Person, die ihre ganze Hoffnung verdient, als besonderer Mensch in dieser Welt.

Wenn ich die Welt von heute betrachte sehe ich viel Unmenschlichkeit. Unter Menschen, Ethnien und Nationen. In Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. In einer durch und durch digitalisierten und technisierten Welt. Von Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit kaum eine Spur. Ich meine, es ist an der Zeit, wie die drei Weisen, aufzubrechen und genau danach zu suchen.

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