Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wie die meisten Kirchenlieder hat auch das Lied, das ich Ihnen heute vorstelle, einen biblischen Bezug. Wer ihn finden will, muss die Bibel ganz hinten aufschlagen, buchstäblich auf den letzten Seiten. Wo es auch um die letzten Dinge geht: Was nach dieser Welt kommt, nach dem irdischen Leben, nach dem Tod. Dort, im Buch der Offenbarung, ist vom himmlischen Jerusalem[1] die Rede. Sinnbild für den Ort, wo die Menschen einmal sein werden, die zu Gott gehören. So etwas wie die Heimat im Himmel wird da mit vielen Details beschrieben. Auf dieses Bild bezieht sich das Lied, das im katholischen Gesangbuch die Nummer 479 hat: Eine große Stadt ersteht.

  

Saladin, Josef; Hämmerl, Christoph; ... Eine große Stadt ersteht für Chor und Orgel. Gotteslob Nr. 642  

Kirchenchor St. Christoph; Stobbe, Bettina; Müller, Andrea; Hämmerl, Christoph 

Strophe 1

Eine große Stadt ersteht,

die vom Himmel niedergeht

in die Erdenzeit.

Mond und Sonne braucht sie nicht;

Jesus Christus ist ihr Licht,

ihre Herrlichkeit.

 

Es geht in unserem Lied nicht um eine irdische Stadt. Auch nicht um die Kopie eines architektonischen Entwurfs: als ob der Mensch nun im Himmel das bauen könnte, was ihm auf Erden nicht gelungen ist. Die himmlische Stadt, das neue Jerusalem ist anders. Und die Herkunft dieser Stadt ist gerade umgekehrt. Gott baut seinen himmlischen Bezirk auf der Erde. Die ursprünglichen Rahmenbedingungen - von ihm einst seiner Schöpfung gegeben - verlieren ihre Bedeutung. Wenn der Himmel auf die Erde kommt, geht es um anderes. Der Maßstab dafür wird in der ersten Strophe sofort eindeutig festgelegt. Auch musikalisch unüberhörbar dort, wo die Melodie ihren Spitzenton erreicht und jede Strophe auf ihrem Höhepunkt ist: Dreh-und Angelpunkt der großen Stadt ist Jesus Christus. Das Licht der Welt. ER zeigt an, wo Gottes Herrlichkeit entsteht. Wo Menschen sich an ihn halten, ihm folgen, da beginnt die neue Stadt, die Gesellschaft Gottes.

 

Saladin, Josef Anton; Menschick, Wolfram; ... Eine große Stadt ersteht, die vom Himmel niedergeht.

Motette für vierstimmigen Chor   Domchor Eichstätt; Menschick, Wolfram 

Strophe 2

Durch dein Tor lass uns herein

und in dir geboren sein,

dass uns Gott erkennt.

Lass herein, die draußen sind;

Gott heißt jeden Tochter, Sohn und Kind,

der dich Mutter nennt.

 

Einen Umstand  wird es jedenfalls in Gottes künftiger Welt nicht mehr geben. Einen, der unser Zusammenleben hier auf der Erde maßgeblich bestimmt: Männlich-weiblich, Sohn-Tochter, Vater-Mutter. Diese Geschlechterrollen sind hinter dem Tor der künftigen Stadt aufgelöst. Sie pressen den Menschen nicht mehr in Schablonen und Rollenmuster. Sie sind bei Gott irrelevant. Ja, sie sind auch für Gott selbst endlich nicht mehr vorhanden: ER ist Mutter und Vater zugleich, solange man diese Bilder noch benötigt, um von ihm zu sprechen, um ihn zu denken. Alle sollen in der großen Stadt Heimat finden.

Die letzte Strophe des Liedes ist ein großer Lobpreis auf Gott. Die Benediktinernonne Silja Walter, Dichterin des Liedes, hat dieses Lob ungezählte Male in ihrem Leben gesungen. In der Gemeinschaft ihres Klosters in Fahr, 63 Jahre lang, bis zu ihrem Tod 2011. So singt dieses Lied auch von der Hoffnung, dass ihr Glaube nicht umsonst war. Dass die Menschen, die Gott lieben und aus dieses Liebe leben, dass Gottes Volk an ein gutes Ziel gelangt. Unsterblich ist, wie das Lied endet. Das ist auch meine Hoffnung - für mich und für unsere Welt.

  

Fischbach, Klaus-Ewald  Eine große Stadt ersteht. Liedkantate für Chor, Gemeinde, Orgel und Bläser  Fischbach, Klaus-Ewald; Trierer Domchor; Fischbach, Klaus 

Strophe 3

Dank dem Vater, der uns zieht

durch den Geist, der in dir glüht;

Dank sei Jesus Christ,

der durch seines Kreuzes Kraft

uns zum Gottesvolk erschafft,

das unsterblich ist.

 



[1] vgl. Offb 21,9-22,5

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27627

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