Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“.
So beginnt das Lied zum heutigen Sonntag:  ein Brot, das sich in eine Rose verwandelt. Dieses Motiv wirkt auf den ersten Blick sehr lyrisch. Aber das, was damit gemeint ist, passt zu meiner Erfahrung und steht für etwas, wovon ich als Christ überzeugt bin: Nämlich, dass das Brot, das geteilt wird, die Kraft hat, sich zu verwandeln. Das Motiv vom Brot, das "als Rose blüht“, spielt an auf die Legende der Heiligen Elisabeth. Sie war in der ersten Hälfte des 13. Jh. Landgräfin in Thüringen. Und sie hat ihr Christsein ernst genommen. Obwohl es sich nicht gehörte, dass sie als Adlige direkten Kontakt zu den Ärmsten hat, hat sie die Ärmsten persönlich mit Lebensmitteln versorgt. Als ihr Mann sie dabei erwischt hat und ihren Brotkorb kontrollieren wollte, haben sich die Brote in Rosen verwandelt. Dass etwas durch Teilen nicht weniger, sondern mehr wird, das kenne ich aus dem zwischenmenschlichen Bereich: Wenn ich zum Beispiel Freude, Hoffnung oder Leid mit anderen Leuten teile, wird die Freude größer, das Leid wird ein bisschen erträglicher. Und dass es eigentlich darum geht, zeigt ja der Kehrvers, der von die Liebe spricht, die alles umfängt: 

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.

Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

Dass diese Liebe, die sich ganz auf das Wohl des anderen konzentriert, etwas mit Gott zu tun hat, ist ein Kernstück meines Glaubens. Wo die Liebe ist, da ist Gott. Und echte Liebe ist eben so stark, dass sie nicht bei meiner Familie und bei den Freunden stehen bleibt, sondern auch die erreichen will, die am Rand der Gesellschaft stehen. Gerade da, wo die Liebe die Ärmsten erreicht, ist Jesus auch nicht weit:

Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.

Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

Der Leipziger Komponist Kurt Grahl hat das Lied 1981 für Jugendliche komponiert, die sich auf Elisabeth-Wallfahrt nach Thüringen begeben haben. Und es sind ja die Christen in Leipzig, die in den 80er Jahren eine Revolution ohne Gewalt erreicht haben. Sie haben sich in der Nikolaikirche zum Gebet getroffen und von diesen Treffen ging die Bewegung aus, die zur Wiedervereinigung unseres Landes geführt hat. Die Überzeugung, dass es mir mehr bringt, wenn ich teile, als wenn ich ängstlich mein Hab und Gut raffe, gehört also zu den Grundwerten des wiedervereinigten Deutschlands. Und gerade jetzt, wo es Diskussionen gibt, was christliche Werte wie Nächstenliebe in unserem Land bedeuten und ob man sie allen schenken soll, macht mir das Lied Mut.

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Musik:
Kurt Grahl: Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht.
Band-und Chorbuch zum Gotteslob,
Strube Edition 6756 (LC3244)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27138

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