Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Vor kurzem habe ich in der Schule einen handfesten Streit mitbekommen. Zwei Kinder sind wütend aufeinander losgegangen: mit Worten und mit Fäusten. Ich bin dazwischen gegangen um zu schlichten und habe die beiden Streithähne auseinandergezogen.

„Jetzt beruhigt Euch erst einmal. Was ist passiert?“ habe ich sie gefragt. „Ihr seid doch eigentlich Freunde.“

„Ach, er hat einfach meinen Schokoriegel gegessen. Einfach so! Der lag in meiner Schultasche und er hat ihn sich genommen.“ Der andere Junge hat verlegen zu Boden geschaut. Es war ihm peinlich. Und unangenehm.

„Es tut mir leid“ hat er gesagt. „Ich hatte so Lust darauf. Da habe ich ihn heimlich rausgezogen und gegessen. Aber wirklich geschmeckt hat er mir nicht!“ Die Reue war ihm anzumerken und das spürte auch sein Freund.

„Pass auf,“ hat er gesagt. „Das ist richtig blöd gelaufen. Das nächste Mal teilen wir! Ich bin dir nicht mehr böse.“ Dann ist er aufgestanden, hat den Fußball geschnappt und die beiden haben miteinander gekickt.

„Der Reiz des Bösen verdunkelt das Gute, und die lockende Begierde verkehrt den arglosen Sinn.“ Das ist ein Satz aus dem biblischen Buch der Weisheit (Weisheit 4,12). Der ist mir hinterher eingefallen.

Man kann das ja schon im Kleinen merken, so wie bei den beiden Jungen. Mir passiert so etwas auch manchmal. Vor kurzem hatte ich mit einer Freundin eine Meinungsverschiedenheit. Eigentlich ging es nur um eine Kleinigkeit, aber die Sache hat sich dann hochgeschaukelt. Vor allem, weil ich nicht nachgeben wollte. Ich war im Unrecht, aber konnte und wollte das nicht zugeben. Da bin ich einfach aufgestanden, mitten in der Auseinandersetzung, habe gesagt: „Mir reicht es. Ich habe keine Lust auf diese unsinnige Diskussion und deine blöden Argumente.“ Und ich bin gegangen. Ohne Tschüss zu sagen.

Abends ist es mir nicht gutgegangen. Ich habe ganz genau gewusst, dass ich so ziemlich alles falsch gemacht hatte. Die Argumente meiner Freundin hatte ich abgewertet, obwohl sie Recht hatte, ich bin gegangen, ohne mich zu verabschieden. Voller Wut, ohne Anstand.

Am nächsten Tag bin ich hingefahren und habe mich entschuldigt. Meine Reue war mir scheinbar anzusehen, denn meine Freundin hat mir verziehen.

Das wünsche ich Ihnen und mir: Dass wir nach Fehlern neu anfangen können und lernen, dem Reiz des Bösen nicht zu verfallen.

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