Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Schauen Sie noch Fußball? Sind Sie noch mit dabei bei der Weltmeisterschaft in Russland? Auch jetzt noch, wo die Deutschen seit über zwei Wochen ausgeschieden sind?

Ganz offen: In den ersten beiden Tagen nach dem Vorrunden-Aus hatte ich keine große Lust mehr. Nach dem lähmenden 0:2 – Fußball zum Abgewöhnen … Und nicht nur mir ging es so. In meiner Heimatstadt zum Beispiel haben sie gleich mal die große Leinwand fürs Public Viewing abgebaut. Wer soll schon noch kommen und gucken, wenn das eigene Land nicht mehr randarf?

Aber dann bin ich an den ersten Final-Spielen hängengeblieben. Und habe zunächst mal gemerkt: Dem fußballerischen Niveau der Weltmeisterschaft hat das Ausscheiden von Jogis Jungs wohl eher gut getan. Das waren richtig packende Duelle, die man da mitverfolgen konnte. Tore vom Feinsten und dramatische Spielverläufe.

Also habe ich weitergeschaut. Und dann ist noch was passiert bei mir: Irgendwie habe ich die Teams plötzlich mit anderen Augen gesehen. Jetzt waren das keine möglichen Gegner der Deutschen mehr. Keine Stolpersteine auf dem Weg zur Titelverteidigung. Sondern einfach gute Fußballmannschaften, die um den Erfolg kämpfen. Und Menschen, für die Fußball ihr Leben ist – genauso wie für die Jungs um Manuel Neuer.

Als dann die Nachbarn mit ihren Flaggen zum Autokorso aufgebrochen sind, habe ich mich einfach mitgefreut. Vor vier Jahren sind wir da gefahren. Was haben wir gefeiert! Heute dürfen auch mal wieder andere. Jetzt haben die ihren großen Moment. Ob sie auch schon Titel auf der Brust haben oder nicht.

Vielleicht ist das ja ungefähr gemeint, wenn es in der Bibel heißt: „Dein Nächster ist wie du“ [3. Mose 19,18b]. Dein Nachbar kennt genau dieselben Emotionen, die du für dein Team hast. Er geht genauso mit, wenn sein Land auf dem Platz steht. Auch er ärgert sich über unfaires Spiel und falsche Schiedsrichterentscheidungen. Es gibt nicht nur deine Nationalmannschaft. Die Welt dreht sich nicht allein um dich. Mit diesem Perspektivwechsel kann man den anderen dann respektieren. Ihm Erfolg wünschen und alles Gute. „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du“, so lautet der Bibelvers in voller Länge. Und Jesus hat gesagt: Diese Aufforderung ist eins der höchsten Gebote überhaupt [vgl. Markus 12,31 par].

Deshalb schalte ich heute und morgen nochmal ein, wenn die letzten beiden Spiele angepfiffen werden. Ich bin gespannt, wer dann den WM-Pokal in den Moskauer Nachthimmel streckt – und welche Nachbarn draußen auf der Straße tanzen. Beim nächsten Mal sind dann hoffentlich wir wieder dran.

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