Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

 (GL 521)

In Spanien habe ich schon miterlebt, was es für die Menschen dort heißt, Maria zu verehren. Sie verehren sie nicht nur, sie lieben sie. Wenn dann bei den Prozessionen eine Marienstatue vorbeigetragen wird – mit einem Stoffkleid und Blumen geschmückt, dann rufen die Leute voller Begeisterung ihr zu: „Guapa“ – „Du Schöne“! Für mich ist das heutige Lied zum Sonntag ein deutsches Pendant dazu: „Maria dich lieben, ist allezeit mein Sinn.“

Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn; 

In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin.

Mein Herz, o Maria, brennt ewig zu Dir,

in Lieben und Freuden, o himmlische Zier. 

Ich singe dieses Lied gerne aus voller Brust mit. Und erlaube mir, dass ich dabei in der Begeisterung übertreibe. Selbstverständlich habe ich auch andere Dinge im Kopf. Es ist einfach nicht „allzeit mein Sinn“, Maria zu lieben. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Gott etwas wegnehme, wenn ich so begeistert für Maria bin. Schließlich liebt er sie ja auch. Er muss ein großer Verehrer von Maria sein, wenn er sie ausgesucht hat, die Mutter seines Sohnes zu sein. Das ist doch gemeint, wenn es im Lied heißt, dass er ihr die Fülle der Gnaden verleiht. Für mich heißt das, dass Gott für sie nicht spart mit seiner Liebe, sondern sie förmlich überschüttet.

Und Maria erwidert diese Liebe. Das zeigt die zweite Strophe, wenn sie die Perspektive umdreht:

Dein Herz war der Liebe des Höchsten geweiht; 

du warst für die Botschaft des Engels bereit. 

Du sprachst: Mir geschehe, wie du es gesagt. 

Dem Herrn will ich dienen, ich bin deine Magd.                       

Diese Strophe zeigt Maria so, wie sie die Bibel schildert: Als eine Frau, die sich und ihr Schicksal Gott widmet. Sie sagt „Ja“ als der Erzengel Gabriel ihr ankündigt, dass sie von Gott einen Sohn bekommen wird. Gut, welche Frau würde da nicht „Ja“ sagen, wenn man ihr sagt, dass ihrem Sohn eine glanzvolle Karriere bevorsteht. Immerhin verspricht der Engel ihr (in der biblischen Geschichte), dass ihr Sohn auf dem Thron Davids sitzen wird.

Aber die Karriere von Marias Sohn verläuft ja ganz anders. Jesus stirbt am Kreuz. Überhaupt nicht glanzvoll. Und die Krone, die er trägt, ist die reine Folter und ein Zeichen der Verachtung.

Ich finde es immer wieder berührend, wie Maria auch dann zu ihrem Sohn hält. So ist es doch, wenn ich jemanden bedingungslos liebe. Ich bleibe an seiner Seite, auch wenn es hart auf hart kommt. Und diese harten Zeiten schmälern die Liebe nicht. Im Gegenteil, sie machen sie erst richtig stark. Ich werde nie vergessen, wie eine Bekannte mir davon erzählt hat, wie sie ihren krebskranken Ehemann bis zum Tod begleitet hat. Sie sagt: Das war die intensivste Zeit unserer Liebe.

Wenn ich also singe, dass ich Maria liebe, dann mache ich nur das, was Gott auch tut. Ich klinke mich ein in eine Beziehung, die von Liebe getragen ist und damit hoffentlich stark wird, auch harte und schwere Zeiten durchzustehen. Wie Maria unterm Kreuz:

Du hast unterm Kreuze auf Jesus geschaut;

er hat dir den Jünger als Sohn anvertraut.

Du Mutter der Schmerzen, o mach uns bereit,

bei Jesus zu stehen, in Kreuz und in Leid.

                 

 

 

 

 

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