Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Früher war ich öfter zu Festen eingeladen. Taufen, Hochzeiten, Konfirmationen. Heute ist das anders. Ich bin jetzt vor allem auf Beerdigungen. Das hat sich so ergeben. Es sterben einfach die Leute.

Oft sind sie noch nicht einmal so alt wie ich. Aber das geht eben nicht der Reihe nach. Jetzt ist sogar ein Klassenkamerad gestorben. Und wir haben uns verabredet zu einem kleinen Klassentreffen der besonderen Art. Zum Abzählen, wie viele noch übrig sind. Nach all den Jahren sind schon viele gegangen.

Und dann standen wir uns gegenüber auf dem Friedhof. Und haben uns ungläubig angeschaut, weil die anderen alle so alt geworden sind. Und weil man das an sich selber gar nicht so gemerkt hat. Aber jetzt ist es unübersehbar.

Nach der Beerdigung haben wir dann noch über die alten Zeiten  gesprochen. Was haben wir damals ungeduldig auf das Leben gewartet und konnten es kaum ertragen, dass man uns noch nicht für voll genommen hat, weil wir eben noch zu jung, zu unerfahren gewesen sind. Was ist das für eine Geduldsprobe gewesen, bis wir endlich erwachsen wurden und durchstarten konnten.

Und dann sind alle auf ihrem ganz eigenen Weg gewesen:
Ausbildung, Studium, Beruf, Familie das ganze Programm. Und es schien doch keine größere Herausforderung zu geben, als die, das Leben voll in den Griff zu bekommen.

Jetzt scheint es doch noch eine größere Aufgabe zu geben. Und die heißt nicht mehr alles im Griff haben, sondern eher loslassen, aufhören, zurückziehen, anderen überlassen.

Abschiedlich werden, das ist wohl die nächste Mutprobe, die ansteht. Und da sind die regelmäßiger werdenden Besuche auf dem Friedhof eine gute Übung.

Mir fällt dazu der alte Psalm 90 ein. Wie oft habe ich ihn selbst an Gräbern gebetet und mit trauernden Angehörigen gelesen:

„Gott, lehre uns bedenken,
dass wir sterben müssen,
damit wir klug werden!“

Das ist wohl die zu erwerbende Klugheit der besonderen Art. Die nächste Lebensaufgabe ist gestellt. Es bleibt spannend.

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