Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Ja“: Dieses Wort bezieht Position. Wie oft höre ich als Antwort auf eine Frage: „Keine Ahnung.“ Oder auf eine Bitte: „Mal sehen.“ „Ja“ dagegen gibt eine klare Antwort oder ein Versprechen. Ein „Ja“ lässt mich nicht im Ungewissen, Unsicheren, Ungefähren.
Mit einem „Ja“ fängt auch das heutige Lied zum Sonntag an. „Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.“

Jochen Klepper hat diese Worte 1938 gedichtet. Ein Lied des Vertrauens auf Gottes Hilfe, geschrieben in Deutschland, während das Nazi-Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht war. Klepper und seine jüdischen Angehörigen gerieten unter immer stärkeren Druck. Da war kein „Ja“. Da war ein immer bedrohlicheres „Nein“. „Nein, wir wollen euch nicht. Nein, ihr habt kein Recht.“

In dieser Lage erinnert Klepper sich an Worte des Propheten Jesaja in der Bibel: „Vom Mutterschoß an seid ihr mir aufgeladen. Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“ Klepper klammert sich geradezu an diese Worte. Und fügt ein Wort ein, das in der Bibel an dieser Stelle gar nicht steht: „Ja.“

„Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun.“ Was Gott durch den Propheten vor langer Zeit versprochen hat, das will er halten. Gott steht zu seinem Wort. Darauf möchte ich auch heute vertrauen. Zum Beispiel am Bett des alten Mannes, der sich sehnlich wünscht, endlich sterben zu dürfen. Oder im Gespräch mit dem Flüchtling, der nach Jahren der Unsicherheit endlich hören will: „Ja, du darfst bleiben.“

Oft fällt es schwer, Gottes Hilfe zu sehen. Zu glauben, dass Gott noch zu seinen Versprechen steht. Jochen Klepper beschwört in seinem Lied die Erinnerung daran, wie Gott in der Vergangenheit am Werk war. Und er fährt geradezu verhalten fort: „Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad euch das Wunderbare immer noch genaht.“

Das Wunderbare hat sich euch genaht. Vielleicht passt dieser vorsichtige Satz zu den Erfahrungen heutiger Menschen. Nicht vollmundig von Wundern zu reden und alle Angst und Sorge, allen Druck und alles Leid einfach beiseitezuschieben.

Gerade Menschen, die Grund genug zur Klage haben, sagen dennoch überraschend oft und sehr überzeugt „Ja“ zu ihrem Leben. Sie spüren, dass Gott „Ja“ zu ihnen sagt. Durch alles Unerfreuliche oder sogar Bedrohliche hindurch. Ja, das Wunderbare hat sich ihnen immer wieder genaht. Vielleicht nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Davon erzählen Lieder wie das von Jochen Klepper – oder auch die Geschichten der Bibel. Sie können mir heute helfen, meine sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnisse zu sortieren. Und das „Ja“ Gottes darin zu finden, wie schwach und verhalten auch immer.
Mit diesem „Ja“ kann ich leben. Damit kann ich meine Arbeit tun und meinen Plänen nachgehen. Gott trägt mich, wie er immer schon Menschen getragen hat.

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Musikangaben:

Musiktitel 1: Ja, ich will euch tragen
Interpreten: Gerhard Schnitter, Das Solistenensemble, CD: Die größten Choräle aus fünf Jahrhunderten, CD 1, Track 15, Hänssler Musik
Labelcode: 07224
Musiktitel 2: wie zuvor, 3. Strophe
Musiktitel 3: wie zuvor, 6. Strophe
Musiktitel 4: wie zuvor, 7. Strophe

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