Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Ich meine es heute gut mit dir!“ – das war lange Zeit das erste, was ich morgens zu sehen bekommen habe. Ich hatte mir einen Zettel an den Badezimmerspiegel gehängt: Ich meine es heute gut mit dir! Und darunter stand auch, wer es sagt: Gott.

Ich wollte mir damit auf die Sprünge helfen und die richtige Einstellung für den Tag gewinnen. Gar nicht so selten starte ich nämlich mit Gedanken, die die Stimmung schon morgens dämpfen. Und vor lauter düsteren Erwartungen würde ich am liebsten gleich wieder ins Bett gehen

Es gibt immer mal wieder Menschen, die es tatsächlich nicht gut mit mir meinen. Und ich erlebe Stresssituationen, wo ich mich frage: muss ich mir das antun? Aber mit einem hängenden Kopf in den Tag zu gehen, macht ihn nicht besser.
Darum habe ich mir den Zettel geschrieben. Er sollte mich daran erinnern, dass Gott da ist. Und dass er, der die Übersicht hat, es wirklich gut mit mir meint.

Bereits vor über zweieinhalb tausend Jahren hat Gott durch den Propheten Jeremia seinem Volk Israel zugesagt: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch Zukunft und Hoffnung gebe. Damals befanden sich die Juden in der Verbannung und die Aussichten waren eher düster. Hätte Gott nicht vieles verhindern und dem Volk ersparen können?

Auch ich meine manchmal zu wissen, was Gott alles hätte besser machen können. Und ich würde ihm viel leichter vertrauen, wenn er meine Erwartungen mehr erfüllen würde. Um meine Skepsis und das, was ich oft unnötig befürchte in Schach zu halten, lasse ich mich an die Zusage Gottes erinnern: Ich meine es heute gut mit dir.

Also wenn Gott es wirklich gut meint, was kann dann letztlich schief gehen? Die Befürchtung, dass etwas schief geht, oder ein Ohnmachtsgefühl, ist es ja oft, was einem so leicht den Tag vermiest.

Im zweiten Teil der Bibel heißt es: Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein? Wer Gott an seiner Seite haben will, kann sich auf seine Seite stellen indem er der Zusage vertraut: Ich meine es heute gut mit dir.

Das eröffnet einen neuen Horizont. Es hält die Zuversicht wach, dass dieser Tag, und nicht nur dieser, ein gutes Ende nimmt. Darum der Zettel an meinem Badezimmerspiegel mit dem Gruß von Gott: Ich meine es heute gut mit dir!

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