Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Nun lasst uns gehn und treten
mit Singen und mit Beten
zum Herrn, der unserm Leben
bis hierher Kraft gegeben.“

Paul Gerhardt, der große protestantische Liederdichter, hat diese Worte in der Mitte des 17. Jahrhunderts geschrieben. Ich weiß, das ist nicht mehr wirklich aktuell. Heute Nacht werden die meisten Menschen das neue Jahr eher mit Pfeifen, Zischen und Knallen begrüßen als mit Singen und mit Beten. Doch ich finde, auf diesem Weg von einem Jahr zum andern sollte das Singen und Beten nicht fehlen.

Musik

Die Melodie dieses Liedes stammt von einem noch älteren Lied: einem Danklied für alles, was wir von Gott bekommen haben. Der Rhythmus der vier kurzen Zeilen ist immer gleich. Ein langsames Schreiten wie bei einer Prozession.

Das passt auch zu dem Text von Paul Gerhardt. Er erzählt von einer Wanderung, die uns vom alten Jahr in das neue führt. Wenn ich mich auf eine Wanderung mache, dann weiß ich, das wird etwas anstrengend. Aber das nehme ich gerne in Kauf. Ich habe ein Ziel, und ich möchte unterwegs etwas sehen und erleben. Ich habe mir vielleicht vertraute Menschen ausgesucht, mit denen ich diese Wanderung gemeinsam unternehme. Es wird gewiss gut, und ich brauche keine Angst zu haben.

So möchte ich auch ins neue Jahr hineinwandern: voller Zuversicht und Vertrauen, durch alles hindurch, was mich erschrecken mag. Ich gehe meinen Weg getrost.

Musik

Angst und Plagen sind wohl da. Aber sie halten mich nicht von meinem Weg ab. Gott lässt uns wie eine Mutter ihre Kinder auf dem Schoß sitzen, heißt es in einer anderen Strophe. Gottes Augen wachen über uns.
Was für tröstende, ermutigende Bilder! Doch ist das nicht ein zu naiver Glaube? Angesichts all des Unheils in der Welt? Passt Gott wirklich auf?

Als Paul Gerhardt diese Verse geschrieben hat, stand er noch unter dem Eindruck eines 30 Jahre dauernden Krieges. „Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken“ – damals wie heute also. Damals hat Paul Gerhardt seinem tiefen Gottvertrauen Ausdruck gegeben. So möchte ich auch heute den Schrecken begegnen: voll Vertrauen, dass Gottes Augen meinen Weg sehen und dass Gott mein Leben behütet.

Auf der Wanderung vom alten in das neue Jahr folge ich gerne dem Weg, den Paul Gerhardt ausschildert. Und ich lade Sie ein, sich mir anzuschließen! Diese Welt mit ihren großen Schrecken hat Menschen nötig, die etwas anzufangen wissen mit solch altmodischen Worten wie Gottvertrauen. Menschen, die darauf vertrauen, dass Gottes Segen auch im neuen Jahr wirkt und die Schrecken kleiner macht. So bitte ich Gott mit Paul Gerhardts Worten:

Sprich deinen milden Segen
zu allen unsern Wegen,
lass Großen und auch Kleinen
die Gnadensonne scheinen.

Musik

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Musiktitel 1und 3:
M0056951 01-009 N. N.; Reger, Max (2) Nr. 3: Nun laßt uns gehn und treten
aus: 3 Choralbearbeitungen für Weihnachten, Neujahr und Epiphanias für dreistimmigen Frauenchor a cappella, op. 79g
NDR Chor Hamburg, Frauenstimmen; Rademann, Hans-Christoph
Es sungen drei Engel. Reger vocal

Musiktitel 2:
M0493332 01-008 Selnecker, Nikolaus; Kringler, Uli; ...
Nun lasst uns gehen und treten
Kaiser, Sarah; Gast auf Erden – Paul Gerhardt neu entdeckt

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