Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Yannik Brachmann, ein junger Mann, lebt junge Mann lebt im Haus St. Christophorus in Kaiserslautern, einer Einrichtung der Caritas für obdachlose Menschen. Das verbreitete Klischee vom so genannten Penner mit Rotweinflasche trifft auf den 24-Jährigen genauso wenig zu wie auf fast alle anderen Bewohner in St. Christophorus. Was sie aber alle verbindet sind gebrochene Biographien.

Also eigentlich hat alles in der Kindheit angefangen mit einigen Problemen in der Familie, … wo dann die Familie größtenteils entzweit … wurde sogar, wo dann auch der Kontakt zu einander untersagt wurde, wo man halt als Kind auch nix machen kann … und das hat sich dann halt immer weiter gezogen bis wir dann nach Rheinland-Pfalz gezogen sind. 

Der junge Yannik reagiert auf diese belastende Situation, in dem er soziale Kontakte vermeidet und sich immer mehr von anderen Menschen zurückzieht. 

Das hat dann während der Ausbildung extreme Züge angenommen. Das ging dann soweit, dass ich auch nicht mehr zu Arbeit gegangen bin, weil ich einfach nicht mehr konnte psychisch und dann kam noch die Epilepsie dazu, das war dann so der Gipfel. Das heißt, dadurch konnte ich auch nicht mehr arbeiten, hab die Arbeit verloren.  

Und damit beginnt der Teufelskreis, in dem er steckt, erst recht. Weil er es nicht schafft, sich arbeitslos zu melden, lebt er praktisch ein halbes Jahr ohne Geld und schämt sich dennoch, jemand um Hilfe zu bitten. 

Ich hab‘s ehrlich gesagt auch immer versteckt, dass ich nicht mehr gearbeitet hab und so. Das ging dann soweit, dass die Feuerwehr mich irgendwann vom Dach holen musste als ich einen Suizidversuch hatte. 

Es folgen gesetzliche Betreuung, ein erneuter Suizidversuch und schließlich der Verlust der inzwischen verwahrlosten Wohnung. So landet er im Obdachlosenheim. Für ihn die Rettung, denn er bekommt etwas, das ihm bisher gefehlt hat. 

Geborgenheit so ein bisschen. Das heißt, ich kann mich nicht mehr komplett zurückziehen. D.h., ich hab immer einen sozialen Umgang, ich hab immer soziale Kontakte. Das ist halt das, was ich eigentlich brauche auch. 

Doch gerade solche Tage wie der heutige sind für viele der Bewohner in St. Christophorus nur schwer auszuhalten. Es bricht zu viel auf, das schmerzt. Die meisten Bewohner versuchen deshalb einfach, diesen Tag wie jeden anderen zu verbringen. 

Weihnachten direkt feiern wir nicht, da das für viele, denke ich, auch gar nicht psychisch möglich ist, weil es schon eine starke psychische Belastung ist, wenn man gerad ein Familienmensch ist. Wir haben da jetzt einen Fall, wo mir jetzt einfällt. Das ist ein Vater, der hat zwei Kinder, die feiern halt Weihnachten ohne ihn komplett. Das ist das erste Mal für ihn. 

Was mit Weihnachten verbindet. Wie es mit den Wünschen und auch mit den Geschenken aussieht, dazu gleich mehr nach dem nächsten Titel.

Teil 2: 

Der junge Obdachlose Yannik Brachmannngt verbringt das Weihnachtsfest im Wohnheim St. Christophorus in Kaiserslautern, wo er bereits seit einiger Zeit lebt. In der Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas in der Bibel erzählt, findet er ein bisschen auch seine eigene Situation wieder. 

Maria und Josef, die waren ja eigentlich auch in der Situation obdachlos. Und da standen sie ja auch bei vielen Gaststätten oder Wirtshäusern vor verschlossener Tür und haben dann auch nur bei der Herberge diesen Stall angeboten bekommen. So ähnlich ist es ja eigentlich auch in der Situation eines Obdachlosen, nur, dass man nicht unbedingt im Stall schläft, sondern dass wir halt dann das St. Christophorus oder andere Obdachlosenheime haben, wo wir dann unterkommen können. 

Und noch eine weitere Tür hat sich für die Menschen im Obdachlosenheim geöffnet. Im letzten Jahr wurden sie kurz vor Weihnachten zum ersten Mal von einem Restaurant zu einem festlichen Abendessen eingeladen. Kostenlos. Für die Bewohner nicht nur ein beeindruckendes Erlebnis, sondern auch ein Weihnachtgeschenk der besonderen Art. 

Faszinierend finde ich da immer noch das beste Wort. Es ist irgendwie so, man kommt hin mit nix und kriegt einfach was geschenkt …. Das hat man nicht oft, gerad jetzt in der Szene, wenn man obdachlos ist. Da wird man eigentlich nur abgestempelt und viele kennen halt die Hintergrundgeschichten nicht und das ist denen zum Beispiel komplett egal. Das ist halt das, was ich so faszinierend dran finde. … Dass es so ohne Gegenleistung kommt, dass die nicht erwarten, dass wieder was zurückkommt. 

Mit leeren Händen kommen und trotzdem beschenkt werden, ohne Gegenleistung. Auch das hat eine Menge mit der Geschichte von Weihnachten gemeinsam. Da ist ja Gott, der seinen Sohn schenkt, ohne irgendeine Gegenleistung. Und da sind die drei Weisen, die in der biblischen Geschichte ihre Gaben dann diesem Kind überreichen. Ohne Deal und Gegenleistung. Und vielleicht, so denke ich mir, kommt ja doch etwas zurück. Die Freude der Menschen, die in ihren Wünschen ganz bescheiden geworden sind. Auch Yannik Brachmann. Am Ende möchte ich von ihm wissen, welche Wünsche er eigentlich für sich hat. 

Dass ich, was die Epilepsie angeht, da so stabil eingestellt bin, dass ich wieder anständig arbeiten kann. Dass ich irgendwann wieder eine eigene Wohnung habe und dass ich generell wieder ein geregeltes Leben bekomme, ein selbstständig geregeltes Leben. Also praktisch ohne dass ich auf Hilfe von außen angewiesen bin. 

Und einen speziellen Weihnachtswunsch, gibt es den auch? 

Eigentlich aktuell nur einen und zwar: Ich hab noch Kontakt zu meiner Schwester, vage, nur über Whatsapp so ein bisschen, … aber das wär halt echt schön, wenn ich sie halt irgendwie wiedersehen könnte. Das wär echt toll. 

Vielleicht klappt es ja wirklich. Ich jedenfalls wünsche es ihm.

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