Manuskripte

SWR3 Gedanken

Meine Beine zittern. Meine Finger krallen sich in die Felswände. Sie suchen nach Halt. Ich kann nicht sehen, wie und wo es weitergeht, wohin ich greifen muss, wohin mit meinen Füßen. „Rechts nach oben, dann nachgreifen und linker Fuß zuerst!“, ruft es von unten. Mein Herz klopft wie wild. Meine Hände: rutschig. Ich krieg Panik als ich runter gucke. „Nicht nach unten schauen!“, ruft Johannes. „Dir kann nichts passieren“, sagt er, „das Seil fängt dich auf!“ „Trau dich!“, rufen die andern. Gefühlte Minuten hänge ich bewegungslos an der Felswand. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Dann gebe ich auf. „Runter“, schrei ich. Gesagt, getan. Die andern lassen mich am Seil wieder ab.

„War doch schon gut fürs erste Mal“, sagt Martin und klopft mir auf die Schultern. Ich bin wie benebelt und setze mich erstmal ins Gras, um runter zu kommen.

Enttäuscht sitze ich da. Ich hab mich einfach nicht genug getraut. Und mir wird klar: Mir hat das Vertrauen gefehlt, das mir nichts passieren kann. Ich weiß nicht, ob man Vertrauen einfach hat, es einem zugeflogen kommt, oder es erst wachsen muss?

Wenn ich etwas zum ersten Mal mache, muss ich erstmal vertrauen. Es ist egal, ob es das erste Mal Klettern, der erste Sprung vom Fünfmeterturm, der erste Kuss oder der erste Job ist. Ich muss auf das Seil, das Wasser, meinen Verehrer, auf Gott vertrauen. Darauf, dass alles gut geht. Klar, das Vertrauen kann enttäuscht werden. Es ist ein Risiko, dass ich eingehe. Aber ohne meinen Vertrauensvorschuss kann ich nichts tun. So wie an der Felswand.

Das nächste Mal will ich denen vertrauen, die mich sichern. Das wird mir gut tun und mir Selbstvertrauen geben, da bin ICH sicher. Dann wird die nächste Kletterpartie keine Hängepartie, sondern dann schaffe ich es ganz bis nach oben.


 

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