Manuskripte

SWR3 Gedanken

Langer roter Rock, weiße Bluse, wehendes schwarzes Haar. Nur die Waage in der linken Hand und die weiße Augenbinde weisen darauf hin: das hier ist eine Justitia, also eine Verkörperung der „der Gerechtigkeit“. Diese Justitia steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weltgebetstags der Frauen. Heute nämlich kommen in allen Ländern der Welt christliche Frauen zusammen, um in einem Gottesdienst ihre weltweite Verbundenheit zu feiern.

Die ungewöhnliche Justitia prangt auf dem Gottesdienstblatt für dieses Jahr. Um sie herum tobt das Leben in bunten Farben. Philippinischer Alltag in seiner ganzen Breite: Großstadtenge und Reisfelderidylle, Kriminalität und Großherzigkeit, Tradition und Moderne. Und mitten drin die alltägliche Justitia auf dem Titelbild. Sie ist die Antwort der philippinischen Frauen auf eine biblische Frage, die sie zu der ihren gemacht haben: „Was ist denn fair?“

Die Justitia im Bild nimmt gerade ihre Augenbinde ab! Sie will sehen, worüber sie Recht spricht. Sie will Augenmaß, wenn sie Recht spricht. Eine mutige Darstellung. Nicht nur auf den Philippinen. Es ist richtig und wichtig, dass wir nicht blind verurteilen, sondern genau hinschauen. Aufklären, was zu einem Fehlverhalten geführt hat. Dass wir den Menschen hinter der Tat sehen. Und dabei keinem Menschen seine Würde absprechen.

Auf den Philippinen ist die Achtung der Menschenwürde derzeit ein großes Thema. Aber wenn bei uns Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Nationalität pauschal verdächtigt werden, wenn Täter als Monster bezeichnet werden, dann ist das alles, nur nicht fair.

Was ist fair? Fair ist, genau hinzuschauen, die Menschen zu sehen. Auf den Philippinen, bei uns, auf der ganzen Welt. 

 

Titelbild-Weltgebetstag-2017-Rowena-Apol-Laxamana-Sta-Rosa-Copyright-WGT-eV

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Rowena-Apol-Laxamana-Sta-Rosa-Copyright-WGT-eV

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